Wirtschaft voller Zuversicht - Ifo-Index steigt zum fünften Mal

Gute Exportchancen für die Industrie und ein lebhafter Konsum bringen die deutsche Wirtschaft in Schwung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im September ganz leicht von 107,6 auf 107,7 Punkte und verbesserte sich damit zum fünften Mal in Folge.

Zwar hatten Experten mit einem deutlicheren Anstieg gerechnet, doch ist das wichtige Stimmungsbarometer damit auf dem höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. Auch für die künftige Bundesregierung bedeutet das beste Voraussetzungen. «Die deutsche Wirtschaft ist mit Zuversicht in den Herbst gestartet», erklärte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen am Dienstag in München.

Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft und wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen aus Industrie, Einzel- und Großhandel sowie Bauwirtschaft ermittelt. Im September zeigten sich die Firmen mit ihrer aktuellen Lage etwas weniger zufrieden als noch im August, sie waren für die kommenden Monate aber zuversichtlicher. Entsprechend sank der Lage-Index von 112,0 Punkten auf 111,4 Punkte. Der Index für die Geschäftserwartungen verbesserte sich dagegen von 103,3 Punkten im August auf 104,2 Punkte.

In der Industrie ging es im September weiter aufwärts. Für die kommenden Monate kletterten die Erwartungen der Industrieunternehmen auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren. «Auch vom Export werden weiterhin Impulse erwartet», erklärte Carstensen. Auch der Einzelhandel ist voller Zuversicht für die kommenden Monate. Mit ihrer aktuellen Lage zeigten sich die Händler ebenfalls wieder zufriedener. Im Großhandel trübte sich die Stimmung dagegen etwas ein, weil die Firmen ihre aktuelle Situation etwas weniger positiv einschätzten.

Die Baufirmen beurteilen zwar ihre derzeitige Lage etwas günstiger, blicken aber skeptischer in die kommenden Monate. Historisch betrachtet bleibe die Stimmung am Bau aber auf hohem Niveau, erklärte Carstensen.

Auch bei Volkswirten sorgen die Ergebnisse für Zuversicht. «Die deutsche Konjunktur fährt auf Erholungskurs, die Geschäftserwartungen der Unternehmen hellen sich weiter auf», erklärte KfW-Chefvolkswirts Jörg Zeuner. «Europa als Deutschlands wichtigster Exportmarkt ist nach einer sehr langen Durststrecke endlich auf dem Weg der Stabilisierung. Davon profitiert Deutschland. Das Wachstum kann 2014 sogar auf zwei Prozent klettern.»

Alexander Bühler von der VP Bank verwies zudem auf die Erholung der US-Wirtschaft und die Aufhellung in China. «Dies lässt darauf schließen, dass die aktuelle Aufwärtsbewegung mit dem Zusatz "nachhaltig" versehen werden kann.» Die deutschen Industrieverbände hätten sich zudem «überwiegend positiv zum Wahlausgang» geäußert, ergänzte Bühler. Deshalb dürften «vom deutschen Urnengang auch zunächst keine schädlichen Wirkungen auf die Stimmung ausgehen».

Anlass für Euphorie gibt es allerdings aus Sicht von Ulrike Rondorf von der Commerzbank noch nicht. Zwar rechnet auch sie mit einer weiteren Konjunkturerholung. «Wir erwarten jedoch keinen kräftigen Aufschwung, denn bei den Investitionen ist angesichts der mageren Auftragseingänge immer noch keine durchgreifende Wende in Sicht», erklärte Rondorf.