Wissenschaftler: Medien mischen bei Koalitionsgesprächen kräftig mit

Meinungsumfragen und Medienberichte beeinflussen dem Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann zufolge den Verlauf der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD.

«Wenn eine Umfrage ermittelt, was Leute von Mindestlohn und Pkw-Maut halten, dann registrieren die Verhandlungspartner das sehr genau», sagte der Professor der Universität München der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Je nachdem welche Fragen gestellt werden und welche Befunde die Medien anschließend in den Vordergrund stellen, spielten die Ergebnisse dann in den Verhandlungen eine Rolle.

Zudem entscheide die Berichterstattung darüber mit, welche Aspekte der Politik die Bürger besonders interessieren. «Nach welchen Kriterien ich Politik beurteile, was ich interessant finde, das hängt auch von den Schwerpunkten der Berichterstattung ab - etwa, ob Personen oder Inhalte im Vordergrund stehen», erklärte Reinemann.

Andererseits kommunizierten Politiker über Interviews mit den Wählern und ihrer Parteibasis, um ihre Standpunkte zu erklären oder ein für sie vorteilhaftes Bild der Verhandlungen zu zeichnen. «Da heißt es dann: Wir haben gekämpft wie die Löwen, aber es ist leider nichts geworden. Was wirklich war, das wissen nur die Teilnehmer.»