WM-Affäre: FIFA sperrt Niersbach für ein Jahr

Der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist im Zuge der WM-Affäre für ein Jahr von allen Ämtern im nationalen und internationalen Fußball gesperrt worden. Das entschied die Ethikkommission des Weltverbandes FIFA am Montag.

WM-Affäre: FIFA sperrt Niersbach für ein Jahr
Georgios Kefalas WM-Affäre: FIFA sperrt Niersbach für ein Jahr

Der 65-Jährige verliert mit sofortiger Wirkung seine beiden Ämter im Council der FIFA und im Exekutivkomitee des europäischen Verbandes UEFA, denen er als einziger deutscher Funktionär angehört hatte.

«Dieser Entscheid trifft mich hart», erklärte Niersbach in einer ersten schriftlichen Reaktion. «Die nun verhängte Sanktion halte ich für unangemessen und überzogen. Ich lasse mich anwaltlich beraten, ob ich gegen diesen Entscheid Rechtsmittel einlegen werde.»

Der Deutsche Fußball-Bund reagierte sehr distanziert auf das Urteil. «Der DFB hat die Entscheidung der Beschlusskammer der Ethikkommission zur Kenntnis genommen», meinte Niersbachs Nachfolger als Präsident, Reinhard Grindel. «Es bleibt abzuwarten, ob Wolfgang Niersbach mit Blick auf seine persönlichen, internationalen Ämter in UEFA und FIFA dagegen Berufung einlegt. Sollte er dieses ihm verbandsrechtlich zustehende Rechtsmittel wahrnehmen, gilt es dies zu respektieren. Der DFB wäre jedoch dankbar, wenn wir möglichst bald in dieser Angelegenheit Rechtssicherheit hätten.»

Die Untersuchungskammer der FIFA-Ethikkommission hatte im Mai sogar eine zweijährige Sperre für Niersbach gefordert. Die Ethikhüter werfen ihm zwar nicht vor, direkt in die dubiosen Geldflüsse rund um die Vergabe der WM 2006 in Deutschland involviert gewesen zu sein. Der Vorwurf lautet jedoch, die Affäre vertuscht haben zu wollen.

So hatte der frühere Pressesprecher, Generalsekretär und Präsident des Deutschen Fußball-Bundes bereits mehrere Monate vor der Aufdeckung des WM-Skandals von einer dubiosen Zahlung von 6,7 Millionen Euro des deutschen WM-Organisationskomitees erfahren, darüber aber weder seine Präsidiumskollegen beim DFB noch die FIFA informiert. Das sei ein Verstoß gegen Artikel 18 des FIFA-Ethikcodes, erklärte der Weltverband. Dieser Artikel regelt eine Anzeige-, Mitwirkungs- und Rechenschaftspflicht seiner Funktionäre.

«Meinen Fehler habe ich eingeräumt und nochmals bedauert», erklärte Niersbach. Trotzdem hat er nun die nächste Konsequenz für seine Verstrickung in die WM-Affäre zu tragen. Bereits im November 2015 musste er als DFB-Präsident zurücktreten. Im selben Monat leitete die Staatsanwaltschaft Frankfurt Ermittlungen gegen ihn und die weiteren WM-OK-Mitglieder Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall ein. Die WM-Macher hatten die ominösen 6,7 Millionen Euro vor der WM 2006 zunächst vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus erhalten, das Geld dann später aber bewusst verschleiert zurückgezahlt.

Der deutsche Fußball steht nach der Sperre von Niersbach erst einmal ohne Vertreter in den entscheidenden Gremien der internationalen Verbände da. Als aussichtsreichster Kandidat für beide Ämter gilt der neue DFB-Präsident Reinhard Grindel, auch wenn die Posten im FIFA-Council und in der UEFA-Exekutive nicht automatisch an den DFB fallen.

Die schriftliche Stellungnahme von Wolfgang Niersbach, nachdem die rechtsprechende Kammer der FIFA den früheren DFB-Präsidenten für ein Jahr gesperrt hat.

«Dieser Entscheid trifft mich hart. Denn nach der mündlichen Verhandlung am letzten Donnerstag in Zürich war ich zuversichtlich, dass die Ethik-Kommission keine Sperre verhängt, sondern meinen Argumenten folgt, wonach es bei meinem Verschulden lediglich um eine verspätete Meldung der kritischen Zahlungsflüsse zwischen dem Organisationskomitee der WM 2006 und der FIFA im Jahre 2005 ging, die mir im Sommer 2015 sukzessive bekannt wurden, und ein anderes Strafmaß festsetzt.

Meinen Fehler habe ich eingeräumt und nochmals bedauert.

Die nun verhängte Sanktion halte ich für unangemessen und überzogen. Ich lasse mich anwaltlich beraten, ob ich gegen diesen Entscheid Rechtsmittel einlegen werde.»