WM-Start: Für Bradl beginnt in Katar neue Zeitrechnung

Stefan Bradls erste Sorge erwies sich bei seiner Ankunft in Katar als unbegründet. Anders als beim letzten Vorsaisontest der Motorrad-WM-Piloten vor zwei Wochen zeigte sich das Wetter im Wüstenstaat Katar von seiner besten Seite.

WM-Start: Für Bradl beginnt in Katar neue Zeitrechnung
Fazry Ismail WM-Start: Für Bradl beginnt in Katar neue Zeitrechnung

Das zweite, größere Problem muss der Zahlinger am Sonntag auf der Rennstrecke beim Auftaktrennen der MotoGP-Saison lösen. Denn vor dem Neustart in der Königsklasse der Weltmeisterschaft hat Bradl derzeit mehr Fragen als Antworten.

Ein neues Team, ein neues Motorrad und nur wenige Testkilometer - Bradl ist ob seiner wirklichen Leistungsfähigkeit ziemlich verunsichert. «Es weiß wahrscheinlich keiner im Feld, wo er wirklich steht. Und ich auch nicht. Ein paar Testtage waren super, ein paar katastrophal», berichtet der 25-Jährige, der seine Ansprüche deutlich nach unten schrauben musste. Nach drei Jahren im LCR-Honda-Team wurde sein Vertrag nicht mehr verlängert.

Bei Athina Forward Racing fand er eine neue Heimat, allerdings auf ganz anderem Niveau. Denn anders als bei LCR fährt der bayrische Schwabe nun keine Werksmaschine mehr, sondern in der sogenannten Open-Kategorie mit einer Yamaha Stand Ende 2014. «Wenn ich jetzt Plätze zwischen acht und zwölf einfahre, ist das sicher gut. Über Podestplatzierungen müssen wir in der kommenden Saison nicht reden», sagt Bradl. Er ist sich darüber im Klaren, dass das auch die Öffentlichkeit noch verinnerlichen muss.

Und dennoch: Sein Umstieg ist ein Neustart, kein Rückschritt. «Ich war vornehmlich im vergangenen Jahr einfach nicht konstant, habe dadurch weder meine Ansprüche noch die von Honda erfüllt. Insofern ist der doch ziemlich drastische Tapetenwechsel jetzt eine neue Chance», betont der Moto2-Weltmeister von 2011. Und vielleicht ein Sprungbrett zurück in ein Werksteam.

Denn Yamaha möchte unbedingt den Open-Titel verteidigen, den Bradls Vorgänger bei Forward, Aleix Espargaro, in der vorigen Saison geholt hat. Und der Deutsche ist für viele der Favorit dafür. «Aleix hat gezeigt, was auch mit einem eher benachteiligten Bike möglich ist. Daran will ich mich messen lassen und den einen oder anderen Höhepunkt setzen», sagt Bradl.

Sein Arbeitsgerät hat er zumindest schon lieben gelernt. «Die Yamaha will sanft behandelt werden. Man muss schnell bremsen und schnell gasgeben, aber eben nicht so hart und ruppig wie auf einer Honda. Dieser Stil ist mir sympathisch, aber momentan verfalle ich in Drucksituationen immer wieder mal in den alten Honda-Stil. Und den mag die Yamaha nicht», erzählt Bradl.

Er schaut schon deshalb gespannt auf den Saisonstart. Der Losail International Circuit sei eine Strecke, die die Yamaha bevorteile. «Ich muss mir mit Punkten eine gute Basis für die Saison schaffen. Die Vertragsgespräche für 2016 beginnen schon bald, und da zählt jeder Eindruck», sagt Bradl, der zunächst für ein Jahr bei Forward unterschrieben hat.