Wo sind die gestohlenen Meisterwerke?

Picasso, Monet, Matisse - sind die in Rotterdam gestohlenen Werke der berühmten Maler doch noch zu retten?

Bisher sprach einiges dafür, dass sie verbrannt wurden, doch der erste Prozesstag in Bukarest um den spektakulären Diebstahl von sieben Meisterwerken im Oktober 2012 warf neue Fragen auf. Denn mehrere Anwälte der Angeklagten erklärten am Dienstag, ihre Mandanten würden das Diebesgut demnächst herausrücken.

  «Wir haben sie (die Angeklagten) davon überzeugt zu sagen, wo sie (die Bilder) sich befinden», sagte die Anwältin Maria Vasii aus dem Verteidigerteam vor laufenden Fernsehkameras. «Unsere Mandanten warten auf einen korrekten Prozessrahmen, um die Bilder den niederländischen Behörden zu übergeben.» Möglicherweise wollen die Angeklagten damit durchsetzen, dass ihr Prozess in die Niederlande verlegt wird - darauf deuten entsprechende frühere Forderungen hin. In Bukarest war die Verhandlung nach kurzer Zeit schon zu Ende und wurde auf den 10. September vertagt.

Angeklagt sind die beiden mutmaßlichen Haupttäter und vier angebliche Komplizen. Binnen weniger als drei Minuten hatten die beiden Diebe im Oktober 2012 die wertvollen Gemälde von den Wänden der Rotterdamer Kunsthalle genommen und war damit verschwunden. Einer der Angeklagten hat den Diebstahl gestanden. Der zweite ist flüchtig, über ihn wird in Abwesenheit verhandelt.

Bleibt die Frage, ob die Diebe Profis waren. Dass sie die Bilder nach Rumänien gebracht haben, spricht dagegen. Zudem haben die Männer versucht, die millionenschweren Bilder weit unter Preis, für 50 000 Euro, zu verkaufen. Auch bei den Vernehmungen der Staatsanwaltschaft entstand der Eindruck, dass die Angeklagten nichts von Kunst verstehen.

Sie drangen in der Nacht zum 16. Oktober 2012 um 3.16 Uhr durch eine Notfall-Hintertür in die Kunsthalle ein und verschwanden nur 2 Minuten und 48 Sekunden später mit der Beute. Eine
Überwachungskamera hielt dies fest, doch profitierten die Räuber von
Sicherheitsmängeln im Museum und von Pannen der Rotterdamer Polizei. Später trennten sie die Bilder aus den Rahmen heraus, verpackten sie in Kissenüberzüge und brachten sie nach Rumänien. Dort wurden die Männer im Januar 2013 nach erfolglosen Verkaufsversuchen verhaftet.

Die Mutter eines der Angeklagten gab in Vernehmungen an, die Bilder in ihrem Badezimmerofen im ostrumänischen Dorf Carcaliu verbrannt zu haben, um Beweise zu vernichten und ihren Sohn zu schützen. Später widerrief sie ihre Aussage. Wo die Bilder seien, oder ob sie jemand anderer verbrannt habe, sagte sie aber nicht. Die Verbrennungsthese wurde bislang von der Staatsanwaltschaft nicht bestätigt.

Eine Untersuchung der Asche aus dem Ofen scheint dagegen die Vernichtung der Kunstwerke zu untermauern. Kriminologen, Chemiker und Historiker fanden darin Nägel aus dem 19. Jahrhundert, Pigmente, Grundierstoff aus Kreide, Leinwandfasern: lauter Dinge, die dort unmöglich zufällig hineingeraten sein können, wie Ernest Oberländer-Tarnoveanu erläuterte, Direktor des Bukarester Historischen Museums. Mindestens drei, vielleicht auch vier Gemälde aus Öl und Leinen seien dort verbrannt worden, sagte der Experte.

Vier der gestohlenen Werke bestanden aus diesen Materialien: «Femme devant une fenêtre ouverte, dite la Fiancée» (1888) von Paul Gauguin, «La Liseuse en Blanc et Jaune» (1919) von Henri Matisse, «Autoportrait» (zirka 1889-1891) von Meyer de Haan, sowie «Woman with Eyes Closed» (2002) von Lucian Freud. Die übrigen drei Bilder wurden auf Papier gemalt: «Tête d'Arlequin» (1971) von Pablo Picasso, «Waterloo Bridge, London» (1901) und «Charing Cross Bridge, London» (1901) von Claude Monet. Papier aber verbrennt restlos, ohne nachweisbare Spuren.