Wohl keine Überlebende bei Germanwings-Absturz

Beim Absturz einer Germanwings-Maschine auf dem Weg nach Düsseldorf sind in Südfrankreich wahrscheinlich alle 150 Menschen an Bord getötet worden.

Das Flugzeug vom Typ A320 flog am Dienstag von Barcelona nach Düsseldorf. «Es gibt keinen Überlebenden», zitierte die Zeitung «Le Figaro» den französischen Verkehrsstaatssekretär Alain Vidalies. Es sei «möglich, dass es viele deutsche Opfer» gebe, sagte Präsident Präsident François Hollande laut «Le Figaro». An Bord waren laut Germanwings 144 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder.

Am Flughafen Düsseldorf löste die Nachricht vom Absturz Schock, Entsetzen und Trauer aus. An der VIP-Lounge, die der Flughafen für Angehörige und Seelsorger zur Verfügung stellte, kamen Angehörige mit völlig verweinten Augen an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich tief erschüttert. Merkel habe alle Termine abgesagt und halte sich über die Entwicklung auf dem Laufenden, teilte die Bundesregierung mit. Merkel habe bereits mit Frankreichs Staatspräsident François Hollande und Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy telefoniert.

Unter den Opfern sind nach Angaben der Madrider Regierung auch viele Spanier. Auf der Passagierliste des Flugzeugs stünden 45 Reisende mit spanischen Nachnamen.

Es habe gegen 10.47 Uhr ein Notsignal gegeben, sagte der französische Verkehrsstaatssekretär. Das Signal habe gezeigt, dass das Flugzeug auf 5000 Fuß und in einer «unnormalen Situation» gewesen sei. Kurz darauf sei die Maschine im Estrop-Massiv rund 100 Kilometer nordwestlich von Nizza abgestürzt. «Das ist eine Region, in der Schnee liegt und die für Fahrzeuge nicht erreichbar ist, aber die mit Hubschraubern überflogen wurde.» Die Nahrichtenagentur AFP berichtete, Gendarmerie-Hubschrauber hätten Trümmerteile entdeckt.

Dem Online-Dienst Flightradar24 zufolge hätte der Airbus mit der Flugnummer 4U9525 laut der ursprünglichen Planung um 10.55 Uhr in Düsseldorf landen sollen. Er sei nahe dem südfranzösischen Ort Digne im Département Alpes-de-Haute-Provence abgestürzt. Die Maschine sei mit einer Geschwindigkeit von 3000 bis 4000 Fuß - etwa 900 bis 1200 Meter - pro Minute heruntergegangen - das sei vergleichbar mit dem Standard bei Landeanflügen.

Die Bundesregierung und das Luftfahrtbundesamt richteten einen Krisenstab ein. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, das Auswärtige Amt stehe «in engstem Kontakt» zu den französischen Behörden. Zu möglichen deutschen Todesopfern machte er zunächst keine Angaben. Steinmeier sagte: «In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei all denjenigen, die darum fürchten müssen, dass ihre Angehörigen unter den Passagieren oder Besatzungsmitgliedern sind.» Unter der Rufnummer 030/50003000 richtete das AA auch eine Krisen-Telefonnummer ein.

Der Flugzeughersteller Airbus will so schnell wie möglich die Situation analysieren. «Wir sind informiert worden und tun alles, um die Situation zu analysieren», sagte eine Airbus-Sprecherin. «Sobald wir mehr Informationen haben, machen wir das bekannt.»

Französische Kommentatoren sprachen vom schwersten Flugunglück in Frankreich seit dem Concorde-Absturz am 25. Juli 2000. Auf dem Air-France-Flug 4590 war das Überschallflugzeug damals kurz nach dem Start vom Flughafen Paris-Charles de Gaulle abgestürzt, wobei alle 109 Insassen sowie vier Menschen am Boden ums Leben kamen. 96 deutsche Passagiere und ein deutsches Crew-Mitglied waren darunter.

Der Airbus A320 ist das erfolgreichste Airbus-Modell. Von dem Mittelstrecken-Jet sind weltweit fast 3700 Maschinen im Einsatz. Die jetzt abgestürzte Airbus-Maschine war mehr als 24 Jahre alt. Nach Informationen der Website Airfleets.net wurde die Maschine vom Typ A320 am 6. Februar 1991 an die Lufthansa ausgeliefert. Zwischenzeitlich war der Jet mit 147 Sitzplätzen und der Kennung D-AIPX unter dem Städtenamen «Mannheim» unterwegs. Ihren Jungfernflug hatte sie am 29. November 1990.

Germanwings ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa AG. Gemeinsam mit der Flotte der Lufthansa-Tochter Eurowings soll sie künftig Direktverkehre in ganz Europa anbieten.