Vorstände und Aufsichtsräte von Volkswagen sammeln sich in Hannover

Führende Aufsichtsräte und Vorstände des Autobauers Volkswagen sind am Montagmittag in Hannover zu Gesprächen zusammengekommen.

Am späten Nachmittag steht die Aufsichtsratssitzung an, die die mit Hochspannung erwartete Hauptversammlung am Dienstag vorbereiten soll. Die Manager und Kontrolleure kamen in Hannovers Innenstadt in einem Fünf-Sterne-Hotel zwischen Oper und Hauptbahnhof zusammen. Mitarbeiter der Deutschen Presse-Agentur sahen unter anderen Aufsichtsrat Wolfgang Porsche, Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch und den neuen Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler.

Die 20 Kontrolleure wollen das Aktionärstreffen vorbesprechen, das am Dienstag um 10.00 Uhr startet. Bereits um 13.00 Uhr am Montag kommt zunächst das Aufsichtsratspräsidium zusammen, die Spitze der Kontrolleure.

Im Anschluss haben die Anteilseigner dann ihre Vorbesprechung. Die Sitzung direkt am Tag vor der Hauptversammlung ist obligatorisch und war bereits seit langem geplant. Fehlen werden dabei diesmal der frühere Konzernpatriarch Piëch (78) und seine Ehefrau und Ex-Aufsichtsrätin Ursula (58).

Die beiden waren Ende April auf dem Höhepunkt der tagelangen Führungskrise bei Europas größtem Autobauer zurückgetreten. Als Ersatz berief der Konzern Piëchs Nichten Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34). Wer als Piëchs Nachfolger den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen soll, ist unklar. Kommissarisch macht das derzeit Aufsichtsratsvize Berthold Huber von der IG Metall.

Huber wird auch die Hauptversammlung leiten. Aus Aufsichtsratskreisen heißt es, dass weder am Montag noch im Zuge des Aktionärstreffens am Dienstag eine Entscheidung über die Piëch-Nachfolge fallen soll.

«Vom Programm her wird es eine richtig langweilige Hauptversammlung», sagt ein Konzerninsider. Es sei wohl davon auszugehen, dass Huber in seiner Rede eingangs zur Führungskrise kurz Stellung nimmt und dann bekräftigt, was bereits vor Tagen als offizielle Linie ausgegeben worden war: das Gremium will sich Zeit lassen mit der Nachfolgefrage.

«Der Aufsichtsrat ist arbeitsfähig, das Management ist voll funktionsfähig», hatte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) vor gut eineinhalb Wochen gesagt, als Piëch zurücktrat. Man werde nun «in Ruhe und Umsicht beraten», wer seinen Posten übernehmen solle. Es gebe keinen Grund zur Eile - Ziel sei es, dass das Gremium einen einstimmigen Vorschlag unterbreite, sagte Weil.

Ob Konzernchef Martin Winterkorn dabei eine Rolle spiele, wollten damals weder Weil noch Huber kommentieren. «Wir werden dazu keine Aussagen machen. Wir wollen keine Personaldebatte mit einer anderen ablösen», sagte Weil. Winterkorn war bis zum Bruch mit Piëch lange Zeit als dessen Nachfolger gehandelt worden.

Fest steht bereits: Volkswagen muss sich auf seiner Hauptversammlung auch mit dem Thema Profifußballförderung beschäftigen. Ein Kleinaktionär moniert «unnötige Ausgaben durch das übertriebene Sponsoring beim VfL Wolfsburg und FC Ingolstadt» und fordert daher eine um 10 Cent höhere Dividende. «Allein die Spieler André Schürrle und Kevin De Bruyne kosteten weit über 50 Millionen Euro», kritisiert der Anteilseigner. Volkswagen hat schon schriftlich auf die Forderung reagiert: «Wir halten den Gegenantrag für unbegründet», heißt es.