VW-Aufsichtsräte und Vorstände beraten vor Aktionärstreffen

Führende Aufsichtsräte und Vorstände des Autobauers Volkswagen haben sich vor dem Aktionärstreffen in Hannover beraten.

Am späten Montagnachmittag stand die Aufsichtsratssitzung an, auf der die mit Hochspannung erwartete Hauptversammlung vorbereitet werden sollte. Die Manager und Kontrolleure kamen dazu in Hannovers Innenstadt in einem Fünf-Sterne-Hotel zwischen Oper und Hauptbahnhof zusammen. Mitarbeiter der Deutschen Presse-Agentur sahen zahlreiche Vorstände und Aufsichtsräte, darunter auch die Nachrückerinnen Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch, die das Gremium nach dem Abgang von VW-Patriarch Ferdinand Piëch und seiner Frau Ursula komplettieren.

Die 20 Kontrolleure organisierten unter anderem die Vorbesprechung des Aktionärstreffens, das am Dienstag um 10.00 Uhr auf dem Messegelände startet. Bereits um 13.00 Uhr war am Montag die Spitze der Kontrolleure, das sogenannte Aufsichtsratspräsidium zusammengekommen.

Im Anschluss trafen sich die Anteilseigner. Die Sitzung direkt am Tag vor der Hauptversammlung ist obligatorisch und war bereits seit langem geplant. Es fehlen dabei aber diesmal der langjährige Konzernpatriarch Piëch (78) und seine Ehefrau und Ex-Aufsichtsrätin Ursula (58). Die beiden waren Ende April auf dem Höhepunkt der tagelangen Führungskrise bei Europas größtem Autobauer zurückgetreten. Als Ersatz berief der Konzern Piëchs Nichten Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34). Wer als Piëchs Nachfolger den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen soll, ist unklar. Kommissarisch macht das derzeit Aufsichtsratsvize Berthold Huber von der IG Metall.

Huber wird auch die Hauptversammlung leiten. Aus Aufsichtsratskreisen hieß es, dass weder am Montag noch im Zuge des Aktionärstreffens am Dienstag eine Entscheidung über die Piëch-Nachfolge fallen soll.

Wie die dpa von Konzerninsidern erfuhr, hatte die Sitzung des Aufsichtsrates am Montag auch den Zweck, einige strategische Themen im Tagesgeschäft zu behandeln. Im Anschluss an die Hauptversammlung folgt am Dienstagabend nochmals eine Aufsichtsratssitzung. Auch dieser Termin ist obligatorisch nach einem Anteilseignertreffen. Jedoch dürfte dort der Blick diesmal um die Führungsfrage kreisen.

«Vom Programm her wird es eine richtig langweilige Hauptversammlung», sagt ein Konzerninsider. Es sei wohl davon auszugehen, dass Huber in seiner Rede eingangs zur Führungskrise kurz Stellung nimmt und dann bekräftigt, was bereits vor Tagen als offizielle Linie ausgegeben worden war: das Gremium will sich Zeit lassen mit der Nachfolgefrage.

«Der Aufsichtsrat ist arbeitsfähig, das Management ist voll funktionsfähig», hatte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) vor gut eineinhalb Wochen gesagt, als Piëch zurücktrat. Man werde nun «in Ruhe und Umsicht beraten», wer Piëchs Posten letztlich übernehmen solle. Es gebe keinen Grund zur Eile - Ziel sei es, dass das Gremium einen einstimmigen Vorschlag unterbreite, sagte Weil.

Ob Konzernchef Martin Winterkorn dabei eine Rolle spiele, wollten damals weder Weil noch Huber kommentieren. «Wir werden dazu keine Aussagen machen. Wir wollen keine Personaldebatte mit einer anderen ablösen», sagte Weil. Winterkorn war bis zum Bruch mit Piëch lange Zeit als dessen Nachfolger gehandelt worden.

Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sagte der dpa am Montag: «Ehrlich gesagt rechne ich im Rahmen der Hauptversammlung zwar mit vielen Fragen und Meinungsäußerungen der Aktionäre zur «Causa-Piëch», aber mit wenig Neuigkeiten seitens des Unternehmens. Auch wenn es durchaus sein kann, dass einzelne Aufsichtsratsmitglieder mehr wissen. Doch die werden sich aller Voraussicht nach auf das Aufsichtsratsgeheimnis berufen und schweigen.» Das dürfte laut Hocker auch für Wolfgang Porsche gelten, der vermutlich zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt werden dürfte. «Herr Piëch selber hat ja nie explizit erläutert, warum er den Konflikt eigentlich begonnen hat. Alles was dazu zurzeit diskutiert wird, sind Spekulationen von dritter Seite.»

Hocker gab auch zu bedenken: «Natürlich ist davon auszugehen, dass der Machtkampf noch nicht zu Ende ist.» Piëch habe bisher lediglich die erste Schlacht verloren. «Die nächste Runde dürfte aber eher auf der Hauptversammlung der Porsche SE stattfinden», sagte Hocker. Über diese Holding steuert der PS-Clan der Porsches und Piëchs seine Beteiligung an der Volkswagen AG - knapp 51 Prozent der Stimmrechte.

Fest steht bereits: Volkswagen muss sich auf seiner Hauptversammlung auch mit dem Thema Profifußballförderung beschäftigen. Ein Kleinaktionär moniert «unnötige Ausgaben durch das übertriebene Sponsoring beim VfL Wolfsburg und FC Ingolstadt» und fordert daher eine um 10 Cent höhere Dividende. «Allein die Spieler André Schürrle und Kevin De Bruyne kosteten weit über 50 Millionen Euro», kritisiert der Anteilseigner. Volkswagen hat schon schriftlich auf die Forderung reagiert: «Wir halten den Gegenantrag für unbegründet», heißt es.