Allofs vor Pokalfinale: «Sind heiß darauf»

Klaus Allofs hat den VfL Wolfsburg endgültig auf Erfolgskurs getrimmt. Der Manager des deutschen Meisters von 2009 will den VW-Werksclub nachhaltig in der nationalen und internationalen Spitzengruppe etablieren.

Allofs vor Pokalfinale: «Sind heiß darauf»
Jochen Lübke Allofs vor Pokalfinale: «Sind heiß darauf»

Für Allofs ist ein Pokal-Endspiel längst Routine. Während der VfL Wolfsburg 20 Jahre nach dem bislang einzigen Finale im DFB-Pokal am Samstag gegen Borussia Dortmund zum ersten Mal den Cup holen will, wäre es für den VfL-Sportchef schon der achte Pokalsieg seiner Karriere als Fußballer und Manager.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht Allofs über sein Geheimrezept, die abgelaufene Saison und die Zukunft mit dem VfL.

Wie wichtig wäre es für Sie, die erfolgreiche Saison mit einem Titel zu veredeln und zu einer sehr erfolgreichen Saison zu machen?

 Wir sind in der schönen Situation, dass wir nichts müssen. Wir müssen uns nichts beweisen und stehen nicht unter Druck. Aber es ist natürlich auch ganz klar, dass man den Titel auch gewinnen will, wenn man ins Finale kommt. Die Teilnahme ist wunderschön - aber den Pokal dann auch in den Händen zu halten und für alle Zeiten im Museum ausstellen zu können, das wäre schon toll. Wir haben eine Menge erreicht, sind aber trotzdem heiß darauf, noch mehr zu erreichen.

Ist es ein Vorteil, dass der BVB gemessen an den Erwartungen im Vergleich zum VfL eher eine verkorkste Saison gespielt hat?

Ich glaube, dass der Druck etwas höher ist auf dem BVB.

Sie selbst waren im Pokal sehr erfolgreich - haben als Spieler fünfmal einen nationalen Pokal gewonnen und als Manager schon zweimal. Kennen Sie ein Geheimrezept?

Ich frage mich auch immer mal wieder: Wie kann das sein? Ganz wichtig ist, dass man mit der richtigen Einstellung in den Pokal geht. Bei all meinen Vereinen - das war schon in Düsseldorf so, dann beim FC Köln und später bei Werder auch - hatte der Pokal immer einen sehr hohen Stellenwert. Dazu braucht man auch den richtigen Trainer und das richtige Umfeld, damit man sich auf diese Aufgaben auch konzentrieren kann.

Stört es sie, dass eher von einem Klopp-Endspiel als von einem Finale zwischen Wolfsburg und Dortmund die Rede ist?

Hier merke ich nichts davon. Vielleicht ist das in Dortmund so. Aber ich glaube auch, dass das selbst die Dortmunder Spieler stören würde, wenn das so wäre. Das sind eben die Geschichten, die wir im Fußball haben. Aber das wird kein Klopp-Endspiel, wir spielen auch nicht gegen Klopp und auch Dieter Hecking tritt nicht gegen Jürgen Klopp an. Das ist ein Spiel zwischen den Mannschaften VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund.

Schon oft war die Rede davon, dass Wolfsburg der neue BVB als Widersacher Bayern Münchens würde - ein Pokalsieg gegen Dortmund würde diese Wachablösung doch perfekt unterstreichen.

Es wird so oder so keine Wachablösung. Aber es ist richtig, dass wir uns unter den besten vier Mannschaften in Deutschland etablieren wollen. Wir würden gerne die Lücke, die zwischen Bayern München und dem Rest der Liga entstanden ist, schließen. Wenn wir das als Anführer der Verfolgergruppe machen könnten, wäre das wunderbar. Aber das passiert nicht durch einen Pokalsieg. Es wäre aber ein Schritt dahin.

Als Sie angetreten sind in Wolfsburg wollten sie den VfL «sympathischer» machen. Ihr Vertrag ist gerade bis 2019 verlängert worden. Was sind nun Ihre Ziele bis dahin?

Sympathischer wird man natürlich in erster Linie durch Erfolg. Die Frage ist dann, wie man mit diesem Erfolg umgeht und wie man ihn erreicht. Ich glaube, dass wir da in der Wahrnehmung einen riesigen Schritt nach vorne gemacht haben. Aber das müssen wir bestätigen, auch sportlich. Wir wollen über einen langen Zeitraum eine verlässliche Größe werden. Wir haben sportlich das Ziel, zu den Marktführern zu gehören. Als Verein haben wir den Anspruch, die Besten zu werden. Das ist natürlich schwierig, denn die Besten sind recht gut. Aber wir müssen es anstreben. Als hundertprozentige Tochter von Volkswagen kann es hier am Ort auch nicht zwei unterschiedliche Philosophien geben.

Müssen Sie ihre Mannschaft im Hinblick auf die kommende Saison mit der Champions League noch weiter verstärken?

Von müssen kann keine Rede sein. Wir haben jetzt schon eine tolle Mannschaft. Wenn man die einzelnen Mannschaftsteile durchgeht, ist es nicht unbedingt einfach, noch bessere Spieler zu finden. Wir wollen unsere Mannschaft natürlich in kleinen Schritten verbessern. Aber das wird jetzt schwieriger. Da ist auch Geduld gefragt. Bei André Schürrle etwa wird die Öffentlichkeit schon etwas ungeduldig, André auch teilweise. Aber wir sind ganz gelassen und total entspannt. André wird viele Tore schießen und auch seinen Teil dazu beitragen, dass wir gut spielen.

Welche Mannschaftsteile wollen Sie denn verbessern?

Wir durchforsten immer unsere gesamte Mannschaft.

Wollen Sie nach dem tragischen Unfalltod von Junior Malanda im Januar noch einen defensiven Mittelfeldspieler holen?

Manchmal denken wir schon daran, wie Junior uns jetzt helfen könnte. Aber wir haben in Luiz Gustavo, Josuha Guilavogui und Maxi Arnold immer noch drei Spieler auf hohem Niveau. Da muss man sich die Frage stellen, was das für Auswirkungen hätte, noch einen vierten dazu zu holen. Trotzdem kann es sein, dass es mal so kommt, wenn wir einen Spieler bekommen könnten, von dem wir überzeugt sind. Aber wir sind mit der Mannschaft wirklich ziemlich zufrieden.

Sie wollen den Vertrag mit Kevin De Bruyne anpassen. Wann ist das soweit? Sein Berater hat ja seinen Besuch schon angekündigt.

Klar ist natürlich, dass er zur Zeit von unheimlich vielen Menschen kontaktiert wird. Wir sind im regelmäßigen Austausch. Wir wollen uns den Vertrag von Kevin De Bruyne noch einmal anschauen, denn seine Entwicklung ist wirklich sehr außergewöhnlich. Es geht natürlich in Richtung Verbesserung des Vertrages, und wenn wir das machen, wird es wahrscheinlich auch mit einer Verlängerung einhergehen. Aber viel wichtiger ist, dass Kevin spürt, dass wir seine Leistung honorieren. Das werden wir machen, aber nicht mehr in dieser Saison. Vielleicht werden wir uns in den Wochen nach dem Pokalfinale zusammensetzen.

Über De Bruyne wird dennoch sehr viel spekuliert. Wir sehr nervt Sie ein drohendes Transfertheater in diesem Sommer?

Ehrlich gesagt gar nicht. Kevin wird sich nicht verändern. Er sagt, dass er sich wohlfühlt. Aber er ist eben auch so ehrlich zu sagen, dass er nicht weiß, was im nächsten Jahr ist. Das beunruhigt mich aber nicht. Das gegenseitige Vertrauen ist da. Ich bin ganz sicher, dass er auch nächste Saison hier spielen wird. Er kann dann mithelfen, dass wir in der Bundesliga wieder eine ähnliche Rolle spielen und in der Champions League zeigen, dass wir dazu gehören. Dann gibt es ohnehin nur noch wenige Clubs, die reizvoll wären.

Sollte er doch irgendwann wechseln - wäre Ihnen ein Wechsel ins Ausland dann lieber als zu Bayern München?

Nein. Das muss man dann akzeptieren. Aber das ist ohnehin Spekulation. Ich weiß ja nicht, ob Bayern überhaupt infrage kommt.

ZUR PERSON: Der frühere Fußball-Nationalspieler Klaus Allofs (58) ist seit November 2012 Geschäftsführer beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Ein Sieg im Pokalfinale am Samstag gegen Dortmund wäre seitdem der erste Titel mit dem VfL. In seiner vorherigen Zeit als Manager von Werder Bremen gewann Allofs zweimal den Pokal und einmal die Meisterschaft.