Wrackteil im Indischen Ozean könnte von Flug MH370 stammen

Experten halten eine Verbindung zwischen dem Flugzeugwrackteil im Indischen Ozean und dem mysteriösen Flug MH370 für möglich. Analysen und Modellrechnungen über den möglichen Absturzort bestätigten dies, teilte die australische Regierung mit.

Der Ozeanograf David Griffin sagte dem australischen Rundfunksender ABC, Meeresströmungen und Winde könnten schwimmende Teile Tausende Kilometer weit zur Insel La Réunion vor der Küste Afrikas bringen. Dort war eine große Flügelklappe eines Flugzeugs aufgetaucht. Die Malaysia-Airlines-Maschine mit 239 Menschen an Bord war vor mehr als einem Jahr spurlos verschwunden.

Ermittler des Flugzeugbauers Boeing arbeiten an der Identifizierung des angespülten Wrackteils. Nach Berichten lokaler Medien war das zwei Meter lange Tragflächenstück an der Küste im Osten der zu Frankreich gehörden Insel im Indischen Ozean gefunden worden. US-Ermittler wollen auf Fotos ein Merkmal entdeckt haben, das auf eine Boeing 777 hinweise, berichtete der US-Sender CNN. MH370 war eine Boeing 777.

Die Untersuchungen des Teils würden in Australien mit «sehr großem Interesse» verfolgt, sagte Verkehrsminister Warren im Rundfunk. «Wir müssen uns jetzt wirklich die Größe und Form anschauen und ob irgendwelche Markierungen darauf sind, etwa Nummern von Bauteilen oder Seriennummern», sagte ein Ministeriumssprecher im Rundfunk. Australien koordiniert die Wracksuche im Ozean.

Das Flugzeug war am 8. März 2014 auf dem Weg von Kuala Lumpur in Südostasien nach Peking vom Radar verschwunden. Das Flugzeug flog nach den Ermittlungen noch sieben Stunden nach dem letzten Radarkontakt Richtung Süden, wie automatische Satellitensignale nahelegten. Ermittler gehen bislang davon aus, dass die Maschine westlich von Australien abstürzte, als das Benzin ausging. Niemand weiß, was an Bord passiert ist. Die Piloten hatten nie Probleme gemeldet oder Alarm geschlagen.

Zwischen dem Fundort und der Position, von der das letzte Signal der Maschine aufgefangen wurde, liegen rund 4000 Kilometer. Schiffe mit Unterwasser- und Sonargeräten suchen seit mehr als einem Jahr in einem riesigen Gebiet des Indischen Ozeans nach dem Wrack. Es ist eine der abgelegendsten Meeresregionen der Welt. Das Wasser ist dort teils 6000 Meter tief. 55 000 Quadratkilometer sind bislang ergebnislos abgesucht worden, wie die australische Koordinationsstelle für die Suche (JACC) mitteilte.

Strömungen und Wind würden Wrackteile vom Suchgebiet zuerst nach Norden tragen, sagte Ozeanograf Griffin bei ABC weiter. Von dort würde alles, was aus dem Wasser ragt, entlang des Äquators nach Westen treiben. «Und La Réunion liegt sehr nah am Äquator.» Der Luftfahrtforscher Peter Marosszeky von der Universität von New South Wales sagte ABC, die Bestimmung des Wrackteils müsste eigentlich schnell gehen. Jedes Teil trage normalerweise eine sicher befestigte Edelstahlplatte mit Nummern.

Das gefundene Tragflügelteil sehe nicht so aus, als sei es durch eine Explosion vom Rumpf getrennt worden, sagte John Cox, Chef der Luftfahrt-Consultingfirma Safety Operating Systems, dem US-Sender NBC. Sollte das Teil zu der vermissten Boeing gehören, deute dies auf eine «sanfte Landung» hin, wahrscheinlich auf dem Wasser.

Malaysia Airlines wollte sich an Spekulationen über den Fund zunächst nicht beteiligen. «Im Moment wäre es für die Airline zu früh, über die Herkunft des Objekts zu spekulieren», teilte Malaysia Airlines in Kuala Lumpur mit. Auch die malaysische Regierung warnte davor, voreilige Schlüsse zu ziehen, ehe es nicht eindeutige Beweise gebe.

Die Mehrheit der Passagiere von MH370 stammte aus China. Angehörige äußerten sich skeptisch über den Fund. Viele fürchten, es handele sich nur um ein Gerücht und warten auf eine offizielle Bestätigung. «Es ist so weit weg, wo sie das Teil gefunden haben», wunderte sich Liu Dongliang, dessen Bruder an Bord der Maschine war. «Die Nachricht kommt nicht von einer offiziellen Quelle, deswegen bezweifle ich, dass es wahr ist», sagte Liu Dongliang am Donnerstag telefonisch der Deutschen Presse-Agentur in Peking. «Ich will meinen Bruder zurück.»

Auch Chen Pu, dessen Frau in dem Flugzeug war, sagte: «Es ist wieder ein Gerücht wie so viele Gerüchte davor. Ich glaube es nicht und würde empfehlen, keine Gerüchte zu verbreiten.» Die Angehörige Mei Ling sagte: «Ich habe das Verbindungsbüro angerufen. Es ist nicht bestätigt, dass es ein Wrackteil von MH370 ist.» Es würde ihr auch nicht reichen. Sie wolle wissen, wo die Menschen aus dem Flugzeug seien - «nicht nur irgendwelche Teile eines Flugzeuges», sagte sie.