Wütende Studenten attackieren in Mexiko Regionalregierung

Mehr als zwei Wochen nach dem Verschwinden von mehr als 40 Studenten in Mexiko haben aufgebrachte Kommilitonen den Sitz der Regionalregierung des Bundesstaates Guerrero angezündet.

Bei den Protesten war zuvor ein deutscher Austauschsstudent zwischen die Fronten geraten: Polizisten schossen den Deutschen nahe Chilpancingo an. Die Beamten hätten am Sonntag das Feuer auf das Auto der Gruppe von zehn Studenten der Universität Tecnológico de Monterrey eröffnet, teilte die örtliche Staatsanwaltschaft mit.

Der Deutsche wurde mit einer Schusswunde am Gesäß in ein Krankenhaus in Mexiko-Stadt gebracht. Sein Zustand sei stabil, informierte die Universität in Monterrey auf Twitter. Die deutsche Botschaft stehe mit dem Betroffenen in Kontakt und bemühe sich gemeinsam mit den örtlichen Behörden um Aufklärung, hieß es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin.

Die Polizisten hatten am Sonntag ursprünglich gegen Entführerbanden vorgehen wollen. Die Studenten ignorierten einen Kontrollposten der Polizei im Norden Chilpancingos. Als sie die Straßensperre passierten, soll demnach ein lauter Knall wie bei einer Explosion zu hören gewesen sein - die Polizisten hätten daraufhin auf den Kleinbus der jungen Leute geschossen.

«Die jungen Leute hatten große Angst, als sie aus dem Wagen stiegen. Wir haben Blut gesehen, aber wussten nicht, von wem es stammte», sagte ein Zeuge, der anonym bleiben wollte. «Die Polizei war nervös, als ob sie nicht wussten, was sie tun sollten.»

Die Beamten seien festgenommen und ihre Waffen beschlagnahmt worden, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Die Studentengruppe aus zwei Deutschen, zwei Franzosen und sechs Mexikanern hatte den Angaben zufolge das Wochenende in dem Badeort Acapulco an der Pazifikküste verbracht und war auf dem Rückweg, als sie in die Polizeikontrolle geriet.

Am Montag hatten die Lehramtsstudenten der linken Hochschule Ayotzinapa die Zugänge des Regierungspalastes besetzt und Aufklärung über das Schicksal ihrer verschleppten Kommilitonen gefordert. Nachdem sie stundenlang keine Antwort der Behörden erhielten, griffen sie das Gebäude an. Nach den Unruhen kündigte die Regierung besseren Schutz für die Gebäude an. Spezialeinheiten der Polizei sollen dafür eingesetzt werden, berichtete die Zeitung «La Jornada» im Internet.

In der Stadt Iguala waren am 26. September nach Auseinandersetzungen mit der Polizei 43 junge Menschen verschwunden. Mittlerweile wurden in der Region mehrere Massengräber entdeckt. Ob es sich bei den Toten tatsächlich um die verschleppten Studenten handelt, ist bislang unklar. Die örtlichen Sicherheitskräfte sind nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft von kriminellen Organisationen unterwandert.