Yellen haucht Dax neues Leben ein

Nach dem positiven Wochenbeginn hat der Dax weiter aufgeholt: Eine starke Wall Street und die Aussicht auf eine weiterhin moderate Zinspolitik in den USA beflügelten den deutschen Leitindex.

Yellen haucht Dax neues Leben ein
Fredrik Von Erichsen Yellen haucht Dax neues Leben ein

Unterstützung kam auch von den weiter steigenden Ölpreisen, die am Markt als Konjunkturindikator gelten. Der Dax sprang zeitweise zurück über die Marke von 10 300 Punkten und schloss mit einem Plus von 1,65 Prozent auf 10 287,68 Zähler. Ein Marktbeobachter sagte, in den noch am Vortag sehr lustlosen Handel sei nun wieder Leben gekommen.

Der Preis für die Nordseesorte Brent war so hoch wie seit über sieben Monaten nicht mehr und das US-Öl WTI kletterte über 50 US-Dollar. Frische Konjunkturdaten aus Deutschland, der Eurozone und den USA fielen hierzulande dagegen weniger ins Gewicht.

Zuwächse verbuchte auch der breitere Markt: Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen rückte um 1,25 Prozent auf 20 892,01 Punkte vor. Der Technologiewerte-Index TecDax legte um 0,85 Prozent auf 1697,68 Punkte zu.

Nach der Rede der amerikanischen Notenbankpräsidentin Janet Yellen am Vortag gilt eine Leitzinsanhebung Mitte Juni mittlerweile als faktisch ausgeschlossen. Yellen hatte zwar erneut weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed in Aussicht gestellt, aber keinen konkreten Termin genannt.

Das hatte den US-Börsen, aber auch den Aktienmärkten weltweit Schub verliehen. An der Wall Street näherte sich der marktbreite S&P 500 am Dienstag zum Börsenschluss in Europa seinem Rekordhoch aus dem Juli 2015 weiter an. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial übersprang erstmals seit Ende April wieder die Marke von 18 000 Punkten.

Im Dax verbuchten alle 30 Mitglieder Gewinne - angeführt von den Aktien des Chemie- und Pharmagiganten Bayer und des Konkurrenten BASF mit 3,13 Prozent beziehungsweise 2,70 Prozent Kurszuwachs. Seit Tagen warten die Marktteilnehmer mit Spannung auf eine mögliche Aufstockung des Bayer-Angebots für den US-Agrarchemieriesen Monsanto.

Der Handelstag brachte für zahlreiche Unternehmensaktien Rekordmarken. Hierzu gehörten Infineon. Übernahmefantasie bescherte den Anteilsscheinen zwischenzeitig ein Jahreshoch und mit plus 1,84 Prozent auf 13,53 Euro den höchsten Schlusskurs seit Ende 2015. Händler verwiesen auf Spekulationen, dass sich der taiwanesische Auftragsfertiger TSMC für den Halbleiterhersteller aus Deutschland interessiere.

Adidas-Titel erreichten ein Rekordhoch bei 119,80 Euro, fielen bis Handelsschluss aber auf 119,60 Euro zurück - dies war ein Kursplus von 1,70 Prozent.

Zu den größten Gewinnern im MDax gehörten die Titel des Salz- und Düngerherstellers K+S, die um 4,23 Prozent zulegten. Sie profitierten von der Einstellung eines seit Dezember 2015 anhängigen Ermittlungsverfahrens wegen versuchter Gewässerverunreinigung durch die Staatsanwaltschaft Kassel. Das Verfahren habe den Aktienkurs zeitweise unter Druck gesetzt, entsprechend groß sei nun die Erleichterung, schrieb Analyst Thorsten Strauß von der NordLB.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss 1,29 Prozent fester bei 3040,69 Punkten. Auch der Pariser CAC-40-Index legte deutlich zu. Der Londoner FTSE 100 schloss hingegen nur etwas höher.

Am Rentenmarkt blieb die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere negativ. Sie stieg aber von minus 0,02 Prozent am Montag auf minus 0,01 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,05 Prozent auf 142,61 Punkte. Der Bund-Future gewann zuletzt 0,25 Prozent auf 165,38 Punkte. Der Kurs des Euro fiel minimal, hielt sich aber weiter über 1,13 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1348 (Montag: 1,1349) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8812 (0,8811) Euro.