Yellens Worte auf der Goldwaage: Fed berät über Leitzins

Trotz fallender Ölpreise und einer niedrigen Inflationsrate rückt eine Abkehr der Politik des ultrabilligen Geldes in den USA immer näher. Ökonomen warteten am Mittwoch auf frische Hinweise von der US-Notenbank Fed über das genaue Tempo der bevorstehenden Zinswende in den USA, die Experten für Mitte des kommenden Jahres erwarten.

Yellens Worte auf der Goldwaage: Fed berät über Leitzins
Jim Lo Scalzo Yellens Worte auf der Goldwaage: Fed berät über Leitzins

Fed-Vorsitzende Janet Yellen sollte nach der zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses erläutern, wie die erste Zinsanhebung nach der Finanzkrise 2008 ablaufen soll.

Bisher hatte die Federal Reserve versichert, noch für «eine beträchtliche Zeit» am historischen Minizins zwischen null und 0,25 Prozent festhalten zu wollen. Von dieser Formulierung könnten sich die Notenbanker nun verabschieden, um die Finanzmärkte rechtzeitig einzustimmen. William Dudley, Präsident der New Yorker Fed, hatte diesen Wortlaut Mitte November bereits vermieden und stattdessen nur noch «Geduld» angemahnt.

Schon bei ihrem letzten Zinserhöhungszyklus im Jahr 2004 hatten diese Nuancen in der Wortwahl erste Anzeichen auf einen Kurswechsel gegeben. Auch damals verwies die Notenbank nicht mehr auf die «beträchtliche Zeit», sondern erklärte, «geduldig» abwarten zu können - fünf Monate später wurde der Leitzins dann angehoben. Yellens Vorgänger Ben Bernanke hatte sich für mehr Transparenz der Fed stark gemacht, auch vor dem Hintergrund drohender Marktschwankungen. Zentralbank-Experten sehen genau diese als Argument dafür, warum die Fed sich nicht so genau auf bestimmte Formulierungen festlegen sollte.

Angesichts einer sich erholenden Wirtschaft und einem satten Rückgang der Arbeitslosenquote auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren scheint der Zeitpunkt für die Zinswende allmählich gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt legte in den USA von Juli bis September mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,9 Prozent zu, allein im November entstanden in der weltgrößten Volkswirtschaft 321 000 neue Jobs. Ihr milliardenschweres Anleiheprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft hatte die Fed wegen guter Konjunkturdaten bereits im Oktober beendet.