Zahl der Arbeitslosen sinkt - 3,017 Millionen ohne Job

Die wieder erstarkende Konjunktur und das vergleichsweise milde Winterwetter haben die Februar-Arbeitslosigkeit auf ein neues Rekordtief sinken lassen.

Mit 3,017 Millionen rutschte die Zahl der Erwerbslosen zum Winterende auf den niedrigsten Februarstand seit 24 Jahren, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Damit sind 15 000 Menschen weniger auf Jobsuche als im Januar und 121 000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 6,9 Prozent zurück.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise führt den überraschenden Rückgang der Arbeitslosigkeit im Februar unter anderem auf den gewachsenen Optimismus in vielen Unternehmen zurück. Viele Firmenchefs rechneten für die kommenden Monate mit einer guten Auftragslage und hätten darauf mit Neueinstellungen reagiert. «Damit geht auch eine leichte Abnahme der Arbeitslosigkeit einher», sagte Weise. Zudem habe der milde Winter die bei Frost und Schnee üblichen Entlassungen etwa auf dem Bau oder in der Landwirtschaft verhindert.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zeigte sich zufrieden über die aktuelle Entwicklung und sprach von «grundsoliden Zahlen». Die anhaltend «kräftige, robuste Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt» ermögliche es auch, dass der seit Januar geltende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde gut greifen könne, fügte sie hinzu.

Die Bundesagentur erwartet derweil als Folge der neuen Mindestlohnregelung Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe. Nach vorläufigen Berechnungen sei bei den Ausgaben für alleinlebende Hartz IV-Empfänger mit einer Vollzeitstelle jährlich mit 600 Millionen bis 900 Millionen Euro weniger zu rechnen, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Diese Gruppe hat bisher als sogenannte Aufstocker wegen geringen Lohns zusätzlich Hartz-IV-Leistungen bezogen.

Weitere Auswirkungen des zu Jahresbeginn eingeführten Mindestlohns erwarten weder Alt noch BA-Chef Weise. Zwar sei es für eine erste Bilanz noch zu früh, betonte Alt. «Aber eines kann man schon jetzt sagen: Für die Horrorprognosen des Münchner Ifo-Instituts, das mit dem Mindestlohn eine Million Arbeitsplätze verloren gehen, gibt es bislang keine Hinweise.»

Trotz der überraschend niedrigen Winterarbeitslosigkeit in diesem Jahr hält Weise an der bisherigen Arbeitsmarktprognose fest; sie geht von einem allenfalls leichten Rückgang der Erwerbslosenzahlen um rund 20 000 im Jahresdurchschnitt 2015 aus. Er kündigte allerdings für März einen revidierten Ausblick an. «Die Tendenz scheint dabei besser zu sein. Wir sehen für dieses Jahr aber weiterhin Risiken, die beispielsweise mit dem Ukraine-Russland-Konflikt zusammenhängen», sagte der BA-Chef.

Sein Vorstandskollege Alt kündigte unterdessen mit Blick auf die weiterhin hohe Zahl schwer vermittelbarer Jobsucher an, in diesem Jahr die Langzeitarbeitslosigkeit unter die Marke von einer Million drücken zu wollen. Das setze neben einer verbesserten Beratung in den Jobcentern auch einen Mentalitätswandel in der Wirtschaft voraus. «Es wäre schon viel gewonnen, wenn Unternehmen Langzeitarbeitslose zu Bewerbungsgesprächen einladen würden, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht der geeignete Bewerber sind», sagte Alt.

Im Februar waren 519 000 offene Stellen bei den Arbeitsagenturen gemeldet, 63 000 mehr als vor einem Jahr. Besonders gefragt sind derzeit Arbeitskräfte in den Berufsfeldern Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik, Verkauf, Verkehr und Logistik. In der Metallerzeugung, der Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie in Gesundheitsberufen werden ebenfalls Mitarbeiter gesucht.

Auch die Zahl der Jobs ist in den vergangenen Monaten beständig gewachsen. So legte die Erwerbstätigkeit nach den jüngsten Daten vom Januar um 42 000 auf 42,48 Millionen zu. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Plus von 408 000.