Zahl der Todesopfer bei Panik in Indien steigt auf 115

Die Zahl der Todesopfer bei einer Massenpanik auf einer Brücke in Zentralindien ist auf 115 gestiegen. Die meisten der Opfer seien Frauen und Kinder, die von anderen überrannt oder zerquetscht wurden, sagte der Polizeisprecher D.K. Arya.

Der Unfall ereignete sich am Sonntag während eines hinduistischen Festes, als Hunderttausende Gläubige auf dem Weg zum abgelegenen Ratangarh-Tempel im Bundesstaat Madhya Pradesh waren.

Die Menschen gerieten in Panik, als sich das Gerücht verbreitete, die Brücke über den Fluss Sindh sei kurz davor, in sich zusammenzustürzen. Zunächst sprach die Polizei von weniger Opfern. «Viele Tote wurden erst später gemeldet, weil die Angehörigen die Verwundeten und Leichen direkt nach Hause oder in Krankenhäuser gebracht hatten», sagte Arya. Zwölf der insgesamt 110 Verletzten lagen demnach am Montag mit schweren Verletzungen in den Kliniken.

Augenzeugen beschwerten sich, es seien viel zu wenig Sicherheitskräfte dort gewesen, um die Menschenmassen zu kontrollieren. Ein Mann, der vier Angehörige verlor, sagte dem Nachrichtensender NDTV: «Niemand kam zu Hilfe. Wir mussten ein Auto mieten, um sie ins Krankenhaus zu fahren.» Der Regierungschef des betroffenen Bundesstaates, Shivraj Singh Chouhan, versprach via Twitter: «Die Schuldigen werden so früh wie möglich bestraft.»

Erst vor sieben Jahren starben an gleicher Stelle mindestens 50 Menschen, als sie den Fluss durchwaten wollten und dieser plötzlich anschwoll. Daraufhin war die mehrere hundert Meter lange und sieben Meter breite Betonbrücke gebaut worden. Die Regierung versprach den Familien der Toten jeweils 150 000 Rupien (etwa 1800 Euro) und den Verletzten umgerechnet ein paar Hundert Euro Entschädigung.

«Es war die Polizei, die mit ihren Schlagstöcken die Panik auslöste, so dass viele Menschen zu Tode getrampelt wurden», sagte ein Überlebender dem TV-Sender CNN-IBN. Andere Augenzeugen berichteten, Menschen seien aus Panik in den Fluss gesprungen. Die Polizei erklärte allerdings, Taucher hätten das Wasser abgesucht und dort keine Leichen gefunden. Eine Untersuchung soll nun klären, wie genau es zu dem Vorfall kam.