Zehnjähriges bei der DFL: «Milliarden-Mann» Seifert

Für viele Fans ist er das Gesicht des kommerziellen Fußballs, für die Bundesliga-Verantwortlichen ein absoluter Topmanager im Profigeschäft: Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga, hat sich vor allem mit dem milliardenschweren Fernsehvertrag einen Namen gemacht.

Zehnjähriges bei der DFL: «Milliarden-Mann» Seifert
Boris Roessler Zehnjähriges bei der DFL: «Milliarden-Mann» Seifert

Am Sonntag ist der 45-Jährige zehn Jahre für die DFL tätig. «Es war eine Zeit, die mir viel Freude bereitet hat. Auf das Erreichte kann die Liga mit einer gewissen Zufriedenheit zurückblicken», meint er, ergänzt aber im selben Atemzug: «Zufrieden, aber nicht selbstzufrieden.»

Seiferts Vertrag als Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Vereinigung der 36 Proficlubs läuft bis 2017, und «im Gegensatz zu so manchem Profifußballer» sei er auch gewillt, diesen zu erfüllen. «Wichtig ist jetzt, dass ich mir nach zehn Jahren die richtigen Herausforderungen für die nächsten zehn Jahre suche. Ich fühle mich Stand heute wohl bei dem was ich tue.»

Marketing-Profi, Wirtschafts-Experte und Visionär: Seifert, so urteilt Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen, «hat die Bundesliga klar nach vorne gebracht». Dass dieser dabei so manchen Strauß mit jenen Funktionären ausficht, die Fußball nicht nur als Marke, sondern sich vor allem der Tradition verpflichtet sehen, ist bekannt. Doch die Zahlen und das Renommee der Bundesliga mit ihren vollen Stadien und ihrer sportlichen Stärke sprechen für sich.

«Der Milliarden-Dealer» titelte der «Kicker» über Seifert, als der DFL-Chef 2012 den bis 2017 laufenden 2,5 Milliarden Euro schweren TV-Vertrag für den deutschen Profifußball ausgehandelt hatte. Das Fachblatt rechnete vor: Wenn Seifert dafür wie ein Spielervermittler bei einem Transfer zehn Prozent bekäme, dann müssten die Vereine ihm 250 Millionen Euro überweisen. Das Ergebnis, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball, sei ein «Ritterschlag» für Seifert. Statt wie davor 420 Millionen bringt der Kontrakt den Clubs 628 Millionen Euro pro Saison.

Jetzt treibt der in Rastatt geborene Seifert die Auslandsvermarktung noch vehementer voran, denn da ist die englische Premier League Deutschland noch weit voraus. Als sich die Bundesliga-Prominenz beim DFL-Neujahrsempfang diese Woche in Frankfurt/Main noch im Glanze des WM-Pokals sonnte, da mahnte der DFL-Geschäftsführer die Manager und Funktionäre eindringlich vor Überheblichkeit und internationaler Konkurrenz.

«Mittel- bis langfristig wird es nur zwei, maximal drei große Fußball-Ligen geben, denen die Fans rund um den Globus folgen werden. Entweder wir gehören zu diesen zwei, drei großen Ligen - oder es wird eine andere Liga sein.» Wenige Tage zuvor hatte Seifert die Wirtschaftsdaten zur Saison 2013/2014 präsentiert - zum zehnten Mal nacheinander schrieb die «Weltmeister-Liga» einen Rekordumsatz: 2,45 Milliarden Euro.

Seifert war am 1. Februar 2005 zur DFL gewechselt, zunächst als Geschäftsführer Rechte, Lizenzen, Marketing. Am 1. Juli trat der frühere Vorstandsvorsitzende der KarstadtQuelle New Media AG die Nachfolge von Wilfried Straub als Vorsitzender der Geschäftsführung an. Seifert kam - trotz seiner Vorliebe für Borussia Mönchengladbach - als Mann ohne fußballerische Vergangenheit. Aber er ist ohnehin einer, der gar nicht schnell genug Richtung Zukunft stürmen kann.

Sein Motto: «Die DFL ist der Dienstleister, der antritt, um Mehrwert für den Profifußball zu erzielen.» Seifert und die DFL mit ihren mehr als 200 Mitarbeitern und vier Töchterunternehmen haben ihren Sitz im noblen Frankfurter Westend, mit Blick auf die Türme der Deutschen Bank. Auch das passt zum Selbstverständnis der 2000 gegründeten Gesellschaft, die nach wie vor expandiert.

«Ich schätze seine Arbeit nicht nur gut ein, sondern hochklassig», sagt Bruchhagen, vor seiner Eintracht-Zeit Stellvertretender Geschäftsführer Spielbetrieb bei der DFL und heute noch in deren Vorstand, über Seifert. Er erklärt aber auch: «Im sportlichen Bereich haben wir schon mal unterschiedliche Auffassungen. Vielleicht ist er noch nicht lange genug in der Bundesliga, um mit einer gewissen Leichtigkeit mit Kritik umzugehen.»