Zehntausende Flüchtlinge warten weiter an türkischer Grenze

Zehntausende Flüchtlinge aus den umkämpften Gebieten nahe der nordsyrischen Stadt Aleppo warten noch immer auf Einlass an der geschlossenen türkischen Grenze.

Berichten zufolge harrten bis zu 20 000 Menschen am Übergang Bab al Salam aus. In der grenznahen Stadt Asas hatten sich UN-Angaben zufolge bis zu 10 000 Syrer versammelt.

Die humanitäre Lage schien jedoch zunächst unter Kontrolle: Lokalen Medien zufolge waren Hilfsgüter und auch Zelte an die Vertriebenen ausgegeben worden. Wann und ob die Flüchtlinge in die Türkei einreisen dürfen, blieb weiter unklar.

Die Bewohner der Region um Aleppo hatten ihre Heimat wegen heftiger Gefechte beim Vormarsch von Regimetruppen verlassen. Die Assad-Truppen hatten zuletzt mit Hilfe russischer Luftschläge die wichtigste Nachschubroute der Rebellen aus der Türkei gekappt und auch den von Rebellen gelegten Belagerungsring um zwei Dörfer der Regimeanhänger nach drei Jahren durchbrochen. Mit der Offensive der Regierungseinheiten läuft der von Rebellen gehaltene Teil Aleppos Gefahr, eingekesselt zu werden.

Die türkische Regierung rechnet mit bis zu 70 000 Flüchtlingen aus der Region um Aleppo, Menschenrechtler gehen von etwa 40 000 Vertriebenen in der Provinz aus. Die Türkei hat mit 2,5 Millionen Menschen die meisten Menschen aus dem Bürgerkriegsland aufgenommen.

US-Außenminister John Kerry machte Syriens Machthaber Baschar al-Assad und Russland schwere Vorwürfe. Mit ihren Bombardements töteten sie Zivilisten «in großer Zahl», sagte Kerry. «Das muss aufhören», forderte er.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Regierungen, die für die Angriffe auf Aleppo verantwortlich seien, «scheinen ein Scheitern der Bemühungen um eine politische Lösung in Kauf zu nehmen».

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warf Russland vor, den Konflikt mit seinen Bombardements gegen Rebellen anzuheizen. Frankreichs UN-Botschafter François Delattre verurteilte die Offensive des syrischen Regimes. «Man kann von der Opposition nicht erwarten, dass sie mit einer Pistole an der Schläfe verhandelt», sagte Delattre am Freitag in New York.

Moskau wies die Schuldzuweisungen zurück. Russland setze sich für eine friedliche Lösung des Konflikts ein, unterstütze die syrische Regierung aber im Kampf gegen den Terrorismus, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die russische Luftwaffe unterstützt seit Ende September die Offensive der syrischen Regierungstruppen mit Raketen- und Bombenangriffen.

Syrische Regimetruppen rückten in der Region am Freitag mit Hilfe russischer Luftschläge weiter vor: Zusammen mit verbündeten Kämpfern der Schiitenmiliz Hisbollah und iranischen Einheiten eroberten sie die Stadt Ratjan - insgesamt wurden auf beiden Seiten mehr als 120 Menschen getötet.

Die Assad-Truppen hatten zuletzt die wichtigste Nachschubroute der Rebellen aus der Türkei gekappt und auch den Belagerungsring um zwei Dörfer der Regimeanhänger nach drei Jahren durchbrochen.

Während das Regime den Westen Aleppos kontrolliert, beherrschen Rebellengruppen den Osten und den Süden des Stadtgebietes. Mit der Offensive der Regierungseinheiten läuft das letzte große Stadtzentrum in Rebellenhand Gefahr, eingekesselt zu werden.

«Wir werden unsere Politik der offenen Tür fortsetzen», hatte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Donnerstag in London bei der Syrien-Geberkonferenz gesagt. Die regierungsnahe türkische Zeitung «Yeni Safak» berichtete, Versorgungsgüter, unter anderem Zelte und Nahrung, würden aus der Türkei über die Grenze gebracht.

Einen Tag vor dem Start der Münchner Sicherheitskonferenz sollen die Friedensgespräche für Syrien - über deren Stocken UN-Sondervermittler Staffan de Mistura den Sicherheitsrat informierte - wieder in Gang gebracht werden. In der bayerischen Landeshauptstadt ist eine Syrien-Verhandlungsrunde mit Vertretern aus fast 20 Staaten geplant.

Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass auch die Außenminister Saudi-Arabiens und des Irans teilnehmen werden. Es wäre die erste Begegnung von Regierungsvertretern der beiden Rivalen seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen Anfang Januar.