Zensurexperten: Peking fängt Daten von Apple-Nutzern in China ab

Die chinesische Regierung versucht laut einem Bericht, gezielt persönliche Daten von Apple-Nutzern abzufangen.

Der Angriff richte sich gegen Apples Dienst iCloud, mit dem Nutzer Fotos, Kontakte und Daten speichern können, hieß es in einem Bericht von Greatfire.org. Die Webseite verfolgt die Zensurmaßnahmen der chinesischen Regierung im Internet. Manche Nutzer in China würden beim Einwählen zu dem Apple-Dienst auf eine gefälschte Startseite umgeleitet. Tragen sie dort ihre Nutzernamen und Passworte ein, können diese abgefangen werden.

«Das ist eindeutig eine böswillige Attacke auf Apple mit dem Ziel, Zugang zu Nutzerdaten und Passwörtern und letztlich allen in der iCloud gespeicherten Daten zu bekommen», schrieb Greatfire.org am Montagabend. Die Beobachter gingen davon aus, dass die chinesische Regierung hinter dem Angriff steht. Apple wollte sich am Dienstag auf dpa-Anfrage zu dem Thema nicht äußern.

Die Angriffe begannen laut dem Bericht am Montag, als auch erstmals die neuen iPhones auf dem chinesischen Festland verkauft wurden. Greatfire.org hatte im August bereits über ähnliche Angriffe auf Google und Yahoo berichtet.

Die Zensurexperten vermuteten einen Zusammenhang zwischen dem Vorgehen und den Protesten in Hongkong. Die prodemokratischen Demonstranten verbreiten Informationen über ihren Protest stark über Online-Netzwerke. Chinas Zensoren löschten jedoch Bilder aus Hongkong, die auf dem Festland verbreitet wurden. Seit Wochen wird zudem die Fernsehübertragung von CNN und BBC gestört, sobald Aufnahmen aus Hongkong gezeigt werden.

Vor dem 25. Jahrestag des Pekinger Massakers im Juni war erstmals der Zugang zu allen Google-Diensten in China wie Suche, Gmail, Maps und die Fotoplattform Picasa gesperrt worden. Google zog sich 2010 aus China zurück, um sich nicht weiter selber zensieren zu müssen. Seitdem wurden Nutzer automatisch auf die Suchseite in Hongkong umgeleitet, was jetzt auch nicht mehr funktioniert.

Ohnehin sind in China soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie Youtube oder Webseiten von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Medien wie die «New York Times» oder die Nachrichtenagentur Bloomberg blockiert. Viele Chinesen umgehen die Sperren mit Tunneldiensten, doch werden die VPN-Verbindungen immer wieder gestört.