Zentralrat der Juden wählt neuen Präsidenten

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wählt am Sonntag einen neuen Präsidenten. Einziger Kandidat für die Nachfolge von Dieter Graumann (64) ist der Würzburger Arzt Josef Schuster (60). Dem Zentralrat gehören mehr als 100 jüdische Gemeinden mit über 100 000 Mitgliedern an.

Zentralrat der Juden wählt neuen Präsidenten
Daniel Karmann Zentralrat der Juden wählt neuen Präsidenten

Schuster ist seit vier Jahren Vizepräsident des Zentralrats. Er ist auch Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Der Internist wurde 1954 in Israel geboren, kurz darauf kehrten seine Eltern nach Deutschland zurück. Er gehört wie Graumann zur ersten Generation, die den Nationalsozialismus und den Massenmord an den europäischen Juden nicht mehr selbst erlebt haben.

«Die Offenheit und die Pluralität des Judentums weiter zu unterstützen, ist mir ausgesprochen wichtig», sagte der 60-Jährige kurz vor der Ratsversammlung in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Das Idealbild einer jüdischen Gemeinde ist für mich die Gemeinde in Frankfurt, wo unter ein und dem selben Dach sowohl ein traditioneller Gottesdienst stattfindet und Etage tiefer ein liberaler Gottesdienst mit einer Rabbinerin.»

Graumann hatte im Oktober überraschend erklärt, dass er nicht mehr für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht. In einem Brief an das Zentralratsdirektorium schrieb er, das Ehrenamt habe außerordentlich viel Zeit und Kraft gefordert. In einem «Bild»-Interview bedauerte er kurz vor der Amtsübergabe, dass Antisemitismus wieder offener ausgelebt werde.

Schuster will Graumanns Arbeit fortführen. Er habe es geschafft, die finanziellen Hilfen durch den Staatsvertrag zu verdoppeln, den Zentralrat personell umzubauen und «ganz stark daran gearbeitet, die Perspektive darauf zu lenken, dass Judentum nicht nur Trauer und Gedenken an den Holocaust bedeutet», sagte Schuster der dpa.