«Zero Zika»: 220 000 Soldaten im «Virus-Kampf» in Brasilien

Zur Bekämpfung der Moskitoart Aedes aegypti, die das mysteriöse Zika-Virus überträgt, setzt Brasilien landesweit 220 000 Soldaten ein. Die Soldaten und Tausende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen mit Flugblättern informieren und bis zu drei Millionen Häuser besuchen.

Sie sollen den Bürgern erklären, dass selbst kleine Pfützen und Wasserrückstände vermieden werden müssen, da Gelbfiebermücken hier ihre Eier ablegen und sich so vermehren. Gerade in den Favelas gibt es mangels moderner Kanal- und Abwassersysteme viele Brutstellen. Allerdings sollen die Soldaten nicht in Favelas gehen, wo das Risiko gewaltsamer Zusammenstöße mit Drogenhändlern besteht.

Nach der Informationskampagne und der Identifizierung von Brutstellen sollen in einer zweiten Etappe in den nächsten Tagen und Wochen 50 000 Militärs in besonders betroffenen Gegenden gezielt mit Insektiziden Moskitos und Eiablageplätze dauerhaft eliminieren.

Das Motto der Regierung lautet: «Zero Zika» («Null Zika»). Aber bis dahin wird es noch ein sehr weiter Weg sein - die Moskitoart hat sich dramatisch vermehrt und soll auf rund 80 Prozent der Landesfläche aktiv sein. Sie überträgt auch das Dengue- und das Chikungunya-Virus. «Der Kampf gegen die Moskitos ist derzeit das einzige Mittel, um diese drei Virus-Arten zu bekämpfen», betonte der nationale Sekretär für Schutz und Zivilverteidigung, Adriano Pereira Júnior.

Da bisher eindeutige Schnelltests fehlen, gehen Schätzungen der Zika-Infektionen in dem am stärksten betroffenen Land sehr weit auseinander - von 500 000 bis 1,5 Millionen sprechen die Behörden. Das Zika-Virus steht im Verdacht, bei Infektionen von Schwangeren Schädelfehlbildungen bei ihren Babys zu verursachen.

Die Zahl der bestätigten Fälle von Schädelfehlbildungen bei Babys, deren Mütter sich während der Schwangerschaft mit Zika infiziert haben, hat sich mehr als verdoppelt. Es gebe nun 41 solche Fälle, teilte das Gesundheitsministerium mit. In der Vorwoche waren 17 Fälle bekannt.

Insgesamt gibt es in Brasilien laut Behörden derzeit 462 bestätigte Fälle der sogenannten Mikrozephalie und 3852 Verdachtsfälle. Die steigenden Zahlen hängen nach Angaben von Ärzten aber auch damit zusammen, dass es seit Oktober, nach Entdecken eines möglichen Zusammenhangs zwischen Zika und Mikrozephalie, eine Meldepflicht gibt. Der Verdacht auf Mikrozephalie besteht, wenn ein Baby mit einem Kopfumfang von 32 Zentimetern oder weniger zur Welt kommt.

Am stärksten betroffen ist der arme Nordosten des Landes mit der Stadt Recife. Bei dem Anti-Zika-Aktionstag sollen allein im Bundesstaat Rio de Janeiro 71 000 Soldaten zum Einsatz kommen - dies gilt auch als Signal nach außen: Mit aller Macht soll versucht werden, ein Risiko für die Olympischen Spiele abzuwenden, die im August stattfinden.

Nach neuen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Zika mittlerweile in 39 Ländern aufgetaucht. In vielen Ländern wie etwa Deutschland, wo mehr als ein Dutzend Fälle bekanntwurden, wurden die Infektionen jedoch von Reiserückkehrern eingeschleppt. Präsidentin Dilma Rousseff vergleicht den Kampf gegen die Mücken mit einem «Krieg».

Mit US-Präsident Barack Obama hat sie die gemeinsame Entwicklung eines Impfstoffes durch Forscher beider Länder vereinbart, dieser wird aber wohl vermutlich erst frühestens in zwei Jahren zur Verfügung stehen. Die Regierung steht unter großem Druck, weil Zika Touristen und Sportler davon abhalten könnte, zu Olympia nach Rio zu reisen - wenngleich die Moskitoart im August kaum aktiv ist. Am Zika-Virus sollen in Brasilien - unabhängig von toten Babys durch mögliche Mikrozephalie - drei Menschen gestorben sein. Meist führt das Virus nur zu Symptomen wie Fieber, Hautrötungen oder Kopfschmerzen.

Kolumbien meldete drei Tote, die am Lähmungssyndrom Guillain-Barré starben, das womöglich von Zika ausgelöst worden ist; auch Venezuela meldet drei Zika-Tote. Aber oft ist unklar, ob nicht auch andere Erkrankungen eine Ursache sein könnten. Das zuvor kaum vorgekommene, ursprünglich im Zika-Wald von Uganda entdeckte Virus ist kaum erforscht - daher werden weltweit die Mittel erhöht, um Klarheit über die Folgen zu bekommen. Wegen der Zika-Ausbreitung hatte die WHO Anfang Februar den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.