Zika durch Sex in den USA übertragen

Erstmals hat sich nachweislich ein Mensch beim ungeschützten Sex mit dem Zika-Virus angesteckt. Der Patient habe sich in den USA bei jemandem infiziert, der aus Lateinamerika zurückgekehrt sei, meldete die Gesundheitsbehörde in Dallas (Texas).

In der Regel übertragen Stechmücken den Erreger, der möglicherweise Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen verursacht. In Deutschland wurde ein neuer eingeschleppter Zika-Fall bekannt. Das Risiko einer Ausbreitung in Europa halten Experten aber für gering.

Der Patient aus Nordrhein-Westfalen hatte sich in Venezuela angesteckt. Er kam mit typischen Zika-Symptomen wie Fieber, Ausschlag und einer Bindehautentzündung in die Düsseldorfer Uniklinik. Die Infektion sei nach wenigen Tagen vollständig abgeklungen, teilte das Krankenhaus mit. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg bestätigte die Diagnose. Angesichts des neuen Zika-Falls wollten sich Vertreter zuständiger Bundesministerien im Auswärtigen Amt zu einer «Vorsorgesitzung» treffen.

Im Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch in Lateinamerika waren bisher bundesweit fünf Fälle von Reisenden bekannt, die an dem Virus erkrankt waren. Davor hatten bereits fünf Menschen den Erreger bei anderen Ausbrüchen nach Deutschland eingeschleppt. In Frankreich berichten die Behörden von neun Fällen und mehr als 2500 in den Überseegebieten. Gesundheitsministerin Marisol Touraine rät Schwangeren deshalb von einer Reise dorthin ab.

Forscher hatten schon länger den starken Verdacht, dass der Erreger beim Geschlechtsverkehr weitergegeben werden kann. «Jetzt wissen wir, dass das Zika-Virus durch Sex übertragen werden kann», sagte Zachary Thompson, Direktor der Gesundheitsbehörde des Bezirks Dallas. Nach Angaben der «New York Times» war das Virus aus Venezuela eingeschleppt worden. Experten rieten zur Vorsicht beim Sex. In der Fachliteratur ist mindestens ein ähnlicher Fall von 2008 bekannt. Die Forscher waren sich damals aber nicht ganz sicher.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist beunruhigt: «Der aus den USA berichtete Fall ist Anlass zur Sorge, und wir können die Besorgtheit eines jeden verstehen», erklärte WHO-Sprecher Gregory Härtl in Genf. Allerdings gehe man weiter davon aus, das «beinahe 100 Prozent aller Ansteckungen durch Stechmücken erfolgen».

Das Zika-Virus wird vor allem von der Gelbfiebermücke Aedes aegypti übertragen. Die Betroffenen haben meist grippeähnliche Symptome, viele Infizierte aber gar keine. Eine Gefahr könnte die Infektion für Schwangere darstellen. Das Virus steht im Verdacht, Mikrozephalie bei Ungeborenen zu verursachen. Diese kommen mit einem zu kleinen Schädel auf die Welt, was meist zu geistiger Behinderung führt. Mikrozephalie kann auch andere Ursachen haben, etwa Röteln in der Schwangerschaft.

Können Mücken das Virus auch in Deutschland übertragen? Nach Angaben der Infektionsepidemiologin Christina Frank vom Robert Koch-Institut (RKI) kann es durch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) vereinzelt zu Infektionen in Deutschland kommen. Diese Mücke komme derzeit in Süddeutschland vor. Aber: «Wenn die Asiatische Tigermücke das Virus unter den hiesigen Bedingungen übertragen kann, ist das nur punktuell relevant», betonte sie. Auch der Bonner Virologe Prof. Christian Drosten hält das Risiko einer Ausbreitung in Deutschland für verschwindend gering. Bislang sei es noch nicht vorgekommen, dass die Tigermücke eingeschleppte Viren übertragen habe.

Bisher ist der Zika-Erreger in 26 Ländern Lateinamerikas aufgetaucht. Am stärksten betroffen ist Brasilien. Die WHO hatte am Montag den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die Austragung der Olympischen Spiele im August in Brasilien ist nach Einschätzung der Experten nicht gefährdet. «Was wir im Moment sehen, ist immer noch ein sehr mildes Virus», sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier im Bayerischen Rundfunk. Zur Übertragung beim Sex sagte er, es sei bekannt, dass sich das Virus im Blut und Samen aufhalte. «Aber wie die genauen Übertragungswege sind, ist noch nicht völlig nachgewiesen.»

In Brasilien stieg die Zahl der Babys mit Schädelfehlbildungen nach Angaben des Gesundheitsministeriums seit Oktober mittlerweile von 270 auf 404. In 17 Fällen hatten sich die Frauen zuvor nachweislich mit dem Zika-Virus infiziert. Experten untersuchen derzeit außerdem 3670 Verdachtsfälle. Bis Ergebnisse vorliegen, kann es noch Monate dauern.

Im Kampf gegen Zika will Brasilien auf neue Diagnosetests aus Deutschland setzen. Wie die Gesundheitsbehörde Anvisa mitteilte, werde man landesweit Antikörper-Tests des Unternehmens Euroimmun aus Lübeck zulassen. Es hat nach eigenen Angaben das «weltweit erste Komplett-Paket für den serologischen Nachweis von Zika-Virus-Infektionen entwickelt». Damit sollen auch das Dengue- und das Chikungunya-Fieber schneller festgestellt werden können.

Der massive Ausbruch in Brasilien beeinträchtigte den Ticketverkauf für Olympia bislang nicht. Sechs Monate vor Beginn der Spiele seien 2,75 Millionen Eintrittskarten verkauft worden, teilte das Organisationskomitee mit. Das entspreche 74 Prozent der angestrebten Einnahmen durch den Ticketverkauf.