«Zika-Krieg»: Brasiliens Präsidentin will Lösung bis Olympia

Mit Hilfe von 220 000 Soldaten hat Brasilien eine großangelegte Bekämpfung des Zika-Virus gestartet. «Bis zu den Olympischen Spielen werden wir beachtliche Erfolge bei der Vernichtung der Moskitos sehen», versprach Präsidentin Dilma Rousseff zum Start der Offensive.

«Zika-Krieg»: Brasiliens Präsidentin will Lösung bis Olympia
Marcelo Camargo / Handout «Zika-Krieg»: Brasiliens Präsidentin will Lösung bis Olympia

Zika wird von der Moskitoart Aedes aegypti übertragen wird. Die Olympischen Spiele finden vom 5. bis 21. August in Rio de Janeiro statt - erste Sportler erwägen bereits einen Verzicht. Das Militär verteilte am Samstag vier Millionen Flugblätter mit Tipps zur Moskitobekämpfung, bevor ab Montag als nächste Etappe 50 000 Soldaten mit Insektiziden den Mücken zu Leibe rücken sollen.

Rousseff nahm in der Olympia-Stadt Rio de Janeiro an der Aktion teil und erklärte Bürgern, dass selbst kleine Pfützen und Wasserrückstände vermieden werden müssen. Gelbfiebermücken, die das Virus übertragen, legen dort ihre Eier ab und vermehren sich so.

Die 220 000 Soldaten und tausende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden schwärmten in 353 Städten mit Informationsblättern aus. Sie sollten bis zu drei Millionen Häuser besuchen. Besonders in den Favelas gibt es mangels moderner Abwassersysteme viele Brutstellen für Moskitos. Allerdings sollten die Soldaten Favelas weitgehend meiden, zumindest dort, wo das Risiko von Zusammenstößen mit Drogenhändlern bestand.

Rousseff betonte, die Aufklärungsaktion sei nur der Anfang. Als nächster Schritt sollen nun in besonders betroffenen Gegenden Moskitos und Eiablageplätze mit Insektiziden eliminiert werden. Insgesamt hat die Regierung für 2016 Ausgaben von 2,4 Milliarden Reais (526 Mio. Euro) zur Bekämpfung der Mücken vorgesehen.

Das Ziel der Regierung lautet: «Zero Zika» («Null Zika»). Aber bis dahin wird es ein weiter Weg sein - die Moskitoart hat sich zuletzt dramatisch vermehrt und soll auf rund 80 Prozent der Landesfläche aktiv sein. Sie überträgt auch das Dengue- und das Chikungunya-Virus. «Der Kampf gegen die Moskitos ist derzeit das einzige Mittel, um diese drei Virus-Arten zu bekämpfen», betonte der nationale Sekretär für Schutz und Zivilverteidigung, Adriano Pereira Júnior.

Die Behörden schätzen die Zahl der Zika-Infektionen in Brasilien auf 500 000 bis 1,5 Millionen. Das Virus steht im Verdacht, bei Infektionen von Schwangeren Schädelfehlbildungen bei ihren Babys zu verursachen. Die Zahl der bestätigten Fälle dieser Mikrozephalie bei Babys, deren Mütter sich in der Schwangerschaft mit Zika infiziert haben, ist 41 Fälle gestiegen, teilte das Gesundheitsministerium. In der Vorwoche waren erst 17 Fälle bekannt. Insgesamt gibt es in Brasilien laut Behörden 462 bestätigte und 3852 Verdachtsfälle von Mikrozephalie. Die steigenden Zahlen hängen auch damit zusammen, dass es seit dem Verdacht eines Zusammenhangs mit Zika im Oktober eine Meldepflicht gibt. Verdacht auf Mikrozephalie besteht, wenn ein Baby mit einem Kopfumfang von 32 Zentimetern oder weniger zur Welt kommt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Zika mittlerweile in 39 Ländern aufgetaucht. Rousseff vergleicht den Kampf gegen die Mücken mit einem «Krieg». Mit US-Präsident Barack Obama hat sie die Entwicklung eines Impfstoffes durch Forscher beider Länder vereinbart. Noch 2016 könnte ein Zika-Impfstoff getestet werden, sagte der Direktor des Nationalen US-Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID), Anthony Fauci, in Washington.