Zschäpe-Verteidiger wirft BKA-Ermittlern Dilettantismus vor

Einer der Verteidiger von Beate Zschäpe hat im Münchner NSU-Prozess zwei Ermittlern des Bundeskriminalamtes (BKA) scharf kritisiert und ihnen «Dilettantismus» vorgeworfen. Dabei lieferte sich Rechtsanwalt Wolfgang Stahl auch lautstarke Wortgefechte mit dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzl.

Zschäpe-Verteidiger wirft BKA-Ermittlern Dilettantismus vor
Peter Kneffel Zschäpe-Verteidiger wirft BKA-Ermittlern Dilettantismus vor

Götzl warf dem Verteidiger Suggestivfragen an die Ermittler vor, was der Anwalt empört zurückwies. Die beiden BKA-Beamten hatten als Zeugen vor Gericht berichtet, wie sie kurz nach dem Auffliegen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» im November 2011 einen Zwickauer Taxifahrer vernahmen. Er habe ihnen gesagt, Zschäpe ein halbes Jahr zuvor zum Bahnhof gebracht zu haben.

Stahl kritisierte daraufhin, die beiden Polizisten hätten ihre Vernehmung erst Wochen später schriftlich niedergelegt und ihren Zeugen zudem «nicht offen» befragt: «Man fragt sich, ob das Ergebnis nicht schon vorher feststand.»

Der Taxifahrer hatte bei einem früheren Gerichtstermin in München ausgesagt, er sei mit Zschäpe zum Bahnhof gefahren, wo sie dann zwei Männer abgeholt habe. Dann sei es zurück in jene Straße gegangen, wo das Trio seine Fluchtwohnung hatte. Die Ermittler hatten bis dahin gemutmaßt, Zschäpe könne mit der Bahn zu einem Unterstützer nach Niedersachsen gereist sein.

Erst auf Nachfrage eines Nebenklage-Anwalts stellte sich zudem heraus, dass die Zwickauer Taxizentrale Zschäpes mutmaßlichen Bestellanruf mitgeschnitten hatte. Das war bis dahin nicht bekannt. Wo sich der Telefonmitschnitt befindet, wusste einer der als Zeugen aufgetretenen BKA-Beamten nicht zu sagen.

Zschäpe muss sich im NSU-Prozess für zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und eine Serie von Überfällen mit rechtsextremistischem Hintergrund verantworten.