Zschäpe will Angaben zu allen Anklagepunkten machen

Im NSU-Prozess will die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe nach Angaben ihres Anwaltes Mathias Grasel erst am Mittwoch aussagen.

Zschäpe will Angaben zu allen Anklagepunkten machen
Peter Kneffel Zschäpe will Angaben zu allen Anklagepunkten machen

«Ich darf mitteilen, dass die geplante Einlassung von Frau Zschäpe für kommenden Mittwoch vorgesehen ist», verkündete Grasel. Er will eine Erklärung verlesen. «Diese Erklärung wird sich mit allen angeklagten Punkten beschäftigen, und wir werden da auf jeden einzelnen Punkt eingehen», sagte der Verteidiger dem Bayerischen Rundfunk.

Ursprünglich war spekuliert worden, dass Zschäpe womöglich schon am Dienstag aussagen könnte. Für den Tag ist nur ein Zeuge geladen. Für Mittwoch und Donnerstag hat das Gericht überhaupt keine Zeugenaussagen vorgesehen.

Konkret werde es darum gehen, was Zschäpe gewusst habe und worin sie involviert gewesen sei, hatte Grasel bereits zuvor erklärt. Fragen des Gerichts würden voraussichtlich nicht von Zschäpe selbst, sondern von ihm oder seinem Kollegen Herrmann Borchert beantwortet.

Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass «Schweigen hier nicht mehr die richtige Strategie ist, sondern dringend eine Erklärung geboten ist», erklärte Grasel, der vom Oberlandesgericht erst im Juli, nach mehr als zwei Jahren Prozessdauer, zum vierten Pflichtverteidiger bestellt worden war. «Das entspricht im Übrigen auch dem ursprünglichen Wunsch von Frau Zschäpe, der bereits seit Ihrer Verhaftung im März 2011 so existierte», betonte Grasel.

In den bisherigen zweieinhalb Jahren des Prozesses hatte Zschäpe eisern geschwiegen. Sie folgte damit der Strategie ihrer drei anderen Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm. Im NSU-Prozess muss sie sich als mutmaßliche Mittäterin für die Serie der zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge verantworten, die dem «Nationalsozialistischen Untergrund» zur Last gelegt werden. Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios.

Die Anklageschrift beschreibt den Werdegang des NSU vom Abtauchen in den Untergrund im Jahr 1998 bis zu den Verbrechen des Trios, vor allem den Morden und Sprengstoffanschlägen. Zschäpe wird darin Mittäterschaft vorgeworfen, weil sie von allen Taten gewusst haben und sie als Mitglied der aus drei Personen bestehenden «terroristischen Vereinigung» NSU gebilligt haben soll. Neun der Mordopfer waren Gewerbetreibende türkischer oder griechischer Herkunft. Als Motiv für diese Taten und die beiden Sprengstoffanschläge in Köln nimmt die Bundesanwaltschaft Rassenhass an. Die beiden anderen NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen sich nach einem gescheiterten Banküberfall im November 2011 in Eisenach das Leben genommen haben.

Grasel war der Angeklagten im Sommer als vierter Pflichtverteidiger zur Seite gestellt worden. Vor wenigen Wochen hatte sich Borchert zusätzlich als Wahlverteidiger bei Gericht angemeldet. Grasel wird aus der Staatskasse bezahlt, Borchert nicht. Wer für seine Kosten aufkommt, wollte er auf Anfrage nicht mitteilen. Mit ihren drei ursprünglichen Verteidigern Heer, Stahl und Sturm wird Zschäpe damit von fünf Anwälten vertreten.