Blatter verpasst Wiederwahl im 1. Durchgang

Joseph Blatter hat im ersten Wahlgang die Wiederwahl als Präsident des Fußball-Weltverbands FIFA verpasst. Der umstrittene Schweizer erhielt auf dem FIFA-Kongress in Zürich nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit gegen seinen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein.

Blatter verpasst Wiederwahl im 1. Durchgang
Patrick B. Kraemer Blatter verpasst Wiederwahl im 1. Durchgang

Für Blatter stimmten 133 Delegierte, für al-Hussein 73. 140 der 209 Stimmen wären nötig gewesen. Schon vor dem Votum war die knappste Entscheidung bei einer FIFA-Wahl erwartet worden, seitdem Blatter 1998 den Chefposten übernommen hatte. Unter dem Eindruck des jüngsten Korruptionsskandals um die FIFA mit der Festnahme mehrerer Fußball-Spitzenfunktionäre hatte vor allem Europas Dachverband UEFA vehement für eine Ablösung Blatters geworben.

Blatter strebt eine fünfte Amtszeit an der FIFA-Spitze an. Der zweite Wahlgang war für den frühen Abend angesetzt. Der ersten Durchgang hatte zwei Stunden gedauert, da auf Antrag der Amerikaner eine Wahl per elektronischem System abgelehnt wurde. Jede Stimme sollte auf Papier abgegeben werden.

Der 79 Jahre alte Schweizer hatte zu Kongressbeginn die Verantwortung für den neuerlichen Skandal von sich gewiesen. und auf einzelne Schuldige abgewälzt. Der Schweizer forderte im Hallenstadion von Zürich angesichts des größten Bebens in der Geschichte der FIFA ein aktives Mitarbeiten der 209 Mitglieder. «Heute rufe ich Sie zum Teamgeist auf, damit wir gemeinsam fortschreiten können. Wir sind zusammengekommen, um die Probleme anzupacken», sagte der Schweizer in seiner Begrüßungsansprache am Freitag.

Den jüngsten Skandal mit Festnahmen von sieben Funktionären stellte er nicht als Vergehen der FIFA dar. «Die Schuldigen, wenn sie denn als schuldig verurteilt werden, das sind Einzelpersonen, das ist nicht die gesamte Organisation», erklärte der Schweizer. Er sei bereit zu akzeptieren, dass der FIFA-Präsident für alles verantwortlich gemacht werde, diese Verantwortung müsse aber geteilt werden.

Stattdessen witterte er einen Zusammenhang des Zeitpunkts der Festnahmen mit dem Kongress. «Ich spreche da nicht von einem Zufall, ich stelle zumindest die Frage, ob es Zufall war», sagte der 79-Jährige in seiner 20-minütigen, wenig inspirierenden Ansprache.

Im ersten Wahlgang erhielt Blatter dann den von seinen Gegnern erhofften Denkzettel. «Es war gestern auf der Dinner-Veranstaltung vielfach zu spüren, wenn man mit den Leuten gesprochen hat, dass bei dem einen oder anderen Land eine Umkehr in der Meinung eingetreten ist», sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. Für Deutschland gab DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock die Stimme ab - eine sichere für Prinz Ali.

Erstmals stimmte keine FIFA-Konföderation en bloc für einen Kandidaten. Neuseeland, Australien und die USA hatten kurzfristig bekanntgegeben, dass sie für Al-Hussein votieren wollen. Auch Tunesien tendierte in diese Richtung.

Zumindest die 54 Stimmen Afrikas galten zuvor als sicher für Blatter. UEFA-Chef Michel Platini, der Blatter noch am Donnerstag in einem persönlichen Gespräch zum Rücktritt aufgefordert hatte, rechnete mit 45 oder 46 der 53 europäischen Stimmen für Al-Hussein.