Brisante Themen beim FIFA-Kongress

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat den mit Spannung erwarteten Kongress des Fußball-Weltverbandes eröffnet. Der Schweizer forderte die 209 Mitglieder im Hallenstadion von Zürich angesichts des jüngsten Korruptionsskandals zur aktiven Mitarbeit auf.

Brisante Themen beim FIFA-Kongress
Patrick B. Kraemer Brisante Themen beim FIFA-Kongress

«Heute rufe ich Sie zum Teamgeist auf, damit wir gemeinsam fortschreiten können. Wir sind zusammengekommen, um die Probleme anzupacken», sagte der Schweizer in seiner Begrüßungsansprache.

Kongress-Höhepunkt ist die Wahl des Präsidenten, bei der Blatter gegen Prinz Ali bin al-Hussein weiterhin als Favorit gilt. Allerdings zeichnet sich die wohl knappste Entscheidung bei einer FIFA-Wahl ab, seitdem Blatter 1998 die Regentschaft übernahm. «Es war gestern auf der Dinner-Veranstaltung vielfach zu spüren, wenn man mit den Leuten gesprochen hat, dass bei dem einen oder anderen Land eine Umkehr in der Meinung eingetreten ist», sagte Ligapräsident Reinhard Rauball.

Offenbar wird es erstmals keine FIFA-Konföderation geben, die en bloc für einen Kandidaten stimmt. Neuseeland, Australien und die USA hatten kurzfristig bekanntgegeben, dass sie für Al-Hussein stimmen wollen. Auch Tunesien scheint in diese Richtung zu tendieren.

Zumindest die 54 Stimmen Afrikas galten als sicher für Blatter. UEFA-Chef Michel Platini, der Blatter noch am Donnerstag in einem persönlichen Gespräch zum Rücktritt aufgefordert hatte, rechnet mit 45 oder 46 der 53 europäischen Stimmen für Al-Hussein, darunter sicher die des Deutschen Fußball-Bundes. Schon ein zweiter Wahlgang, der nötig wäre, wenn Blatter im ersten Anlauf keine Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht, wäre zumindest ein symbolischer Erfolg für die Blatter-Gegner, die erst am Donnerstag auf einen kurzzeitig erwogenen Boykott verzichteten.

Auf Antrag der USA wurde beschlossen, dass die Wahl nicht mit dem elektronischen Wahlsystem, sondern per Stimmzettel erfolgen soll. Die FIFA rechnet mit einem ungewöhnlich langen Kongress. Die traditionelle Pressekonferenz mit dem Präsidenten wurde schon vorab auf Samstag (11.30 Uhr) verlegt, im Anschluss an die anberaumte Sondersitzung des FIFA-Exekutivkomitees, bei der über die künftigen WM-Startplatzquoten entschieden werden soll.

«Die Ereignisse von Mittwoch haben einen echten Sturm ausgelöst», sagte Blatter zur Festnahme von sieben Funktionären, darunter seine Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo. «Machen wir uns an die Arbeit, bleiben wir konzentriert, keine langwierigen Diskussionen, gehen wir nach vorne, suchen wir die Lösung», sagte der 79-Jährige Blatter zu den Zukunftsaufgaben der FIFA.

Kurz vor dem Beginn des FIFA-Kongresses hatten vor dem Hallenstadion mehrere Dutzend Menschen lautstark für einen Ausschluss Israels aus dem Fußball-Weltverband demonstriert. Der palästinensische Verband hat für die Vollversammlung der 209 FIFA-Mitgliedsländer einen entsprechenden Antrag gestellt. Im Kongresssaal wurden zwei Frauen rasch abgeführt, die Parolen riefen und eine Palästina-Fahne schwenkten.