Palästina und Israel: Handschlag statt FIFA-Ausschluss

Die pikante Abstimmung über den Antrag von Palästinas Fußball-Verband für einen Ausschluss Israels ist FIFA-Präsident Joseph Blatter in letzter Sekunde erspart geblieben.

Palästina und Israel: Handschlag statt FIFA-Ausschluss
Patrick B. Kraemer Palästina und Israel: Handschlag statt FIFA-Ausschluss

Und am Ende einer intensiven und emotionalen Diskussion reichten sich die Verbandspräsidenten beider Länder beim Kongress des Weltverbands am Freitag in Zürich sogar die Hand. «Es liegt an Israel zu helfen und etwas mehr mit Palästina zu teilen», sagte Blatter zum Abschluss der mehr als halbstündigen Debatte.

Der palästinensische Verband hatte kurz vor der Abstimmung seinen Antrag auf einen Ausschluss Israels aus dem Weltverband zurückgezogen. Stattdessen soll nun eine Kommission die Bewegungsfreiheit der Spieler in Palästina überwachen. Die FIFA-Mitgliedsverbände stimmten in Zürich mit 165:18 Stimmen für einen entsprechend kurzfristig geänderten Antrag Palästinas.

Zahlreiche andere Verbandsvertreter hätten ihn darum gebeten, den ursprünglichen Antrag zur Suspendierung zurückzuziehen, sagte Palästinas Verbandspräsident Dschibril Radschub. «Das heißt aber nicht, dass ich meinen Widerstand aufgeben werde. Das ist für mich keine emotionale Frage, es geht für mich um Leben und Tod.»

Die Palästinenser werfen den Israelis vor, die Entwicklung des Fußballs in Palästina und die Bewegungsfreiheit von Spielern zu behindern. Eine Kommission soll nun letzteres überwachen. «Darin können wir die Probleme lösen», erklärte Israels Verbandspräsident Ofer Eini. «Mein Ziel ist, dass wir beim nächsten Kongress hier zusammenkommen und sagen können, wie wir die Probleme lösen können. Ein neuer Weg soll hier beschlossen werden.»

Nach der Debatte mit kuriosen Zügen - zeitweise rief Blatter zur Klärung für Formalien nach einem Anwalt - ging Eini mit etwas frostiger Miene im Auditorium zu Radschub und schüttelte diesem unter dem Beifall der Delegierten die Hand. Die zusätzliche Forderung Palästinas, fünf israelischen Clubs in besetzten Gebieten das Bestreiten von Spielen zu verbieten, fiel unter den Tisch.

Israels Verband wies die palästinensischen Vorwürfe schon vor Beginn des Wahlkongresses entschieden zurück. «Von unserer Seite haben wir uns um effektive und konkrete Lösungen bemüht, sowohl beim Transport von palästinensischen Athleten, als auch bei der Unterstützung von Zahlungen von Gebühren, sowie bei der Bereitstellung von Ausrüstung und speziellen Ausweisen für die Fußballspieler», sagte IFA-Sprecher Shlomi Barzel.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte sich erleichtert, dass die FIFA nun doch nicht über Israels Ausschluss abstimmte. «Unsere internationalen Bemühungen haben sich bewährt», schrieb er in einer Mitteilung. Diese «palästinensische Provokation» sei Teil einer Strategie, die die Palästinenser auch vor anderen internationalen Gremien verfolgten. «Solange sie diesen Weg gehen, werden sie den Frieden nur weiter wegschieben, anstatt ihn näher zu bringen.»

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hatte den sportpolitischen Vorstoß Palästinas für eine Suspendierung bereits kritisiert. «Es ist der völlig falsche Weg, einen politischen Konflikt zwischen zwei Ländern über den Fußball auszutragen», sagte Niersbach vor dem FIFA-Kongress.

Wie schon am Vortag demonstrierten mehrere Dutzend Palästina-Sympathisanten lautstark und mit Plakaten für einen Ausschluss Israels. Wie auf Bildern zu sehen war, versuchten sie vergeblich in das Kongress-Gebäude zu gelangen.