UEFA sagt Treffen nach Blatter-Rückzug ab

Die genauen Motive für den avisierten Rücktritt von FIFA-Präsident Joseph Blatter sind auch am Tag nach dessen völlig überraschender Ankündigung im Dunkeln geblieben. Dafür gewann bereits die Debatte über mögliche Nachfolgekandidaten an Fahrt.

Weder UEFA-Präsident Michel Platini noch die Rivalen des 79-jährigen Blatter während des jüngsten Präsidentschafts-Wahlkampfes äußerten sich wenige Tage nach der fünften Wahl des Schweizers zum FIFA-Boss offensiv.

Die Europäische Fußball-Union verschob sogar ein in der vorigen Woche angekündigtes Treffen vor dem Champions-League-Finale in Berlin. Dort sollte ursprünglich die weitere Strategie besprochen werden. «In den nächsten Wochen wird es weitere Gelegenheiten geben, sich zu treffen – und hoffentlich wird sich die Angelegenheit bis dahin erhellen», erklärte Platini in einer UEFA-Mitteilung.

FIFA-Exekutivmitglied Wolfgang Niersbach plädierte für eine frühere Wahl als erst zwischen Dezember und März 2016. Für diesen Zeitraum hatte Blatter am Dienstagabend einen außerordentlichen FIFA-Kongress angekündigt. Bis dahin will er noch im Amt bleiben.

Sein am vorigen Freitag unterlegener Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien wird ebenso als möglicher Nachfolger gehandelt wie der niederländische Verbandschef Michael van Praag und der portugiesische Ex-Profi Luis Figo. Beide hatten ihre Kandidaturen zurückgezogen. DFB-Präsident Niersbach traut van Praag das Amt zu und verlangte, die UEFA-Verbände sollten bei der Kandidatensuche als Einheit auftreten.

Der auch im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) als bestens vernetzt geltende Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait wird ebenfalls genannt. Der Südkoreaner Chung Mong Joon - früher Mitglied in der FIFA-Exekutive - äußerte sein Interesse bereits öffentlich. Der frühere brasilianische Fußball-Star Zico schloss eine Kandidatur nicht aus.

Blatters Schritt wurde weltweit fast durchgängig mit Erleichterung aufgenommen, auch von FIFA-Sponsoren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: «Ich glaube, dass es jetzt besser möglich sein wird, die Arbeit der FIFA auf eine transparente Grundlage zu stellen.»

Die Mitarbeiter in der Zentrale des Fußball-Weltverbandes in Zürich bedachten ihren Chef bei einem Belegschaftstreffen mit freundlichem Beifall. Blatter hatte seinen Abschied mit der Fürsorge für die FIFA und ihrer Interessen begründet.

Ob die US-Bundespolizei FBI tatsächlich auch gegen ihn ermittelt und damit einen entscheidenden Anstoß für seinen Rückzug gegeben hat, blieb offen. Interpol leistet der amerikanischen Justiz im Auslieferungsverfahren gegen frühere FIFA-Funktionäre Amtshilfe. Die internationale Polizeibehörde teilte in Lyon mit, es gehe um den früheren FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner aus Trinidad und Tobago, um den Paraguayer Nicolás Leoz, ehemals Mitglied der FIFA-Exekutive und südamerikanischer Verbandschef, sowie vier Geschäftsleute.