Zufriedenheit der SAP-Mitarbeiter mit Unternehmensstrategie bröckelt

Der Managementwechsel und die Neuausrichtung des Unternehmens treiben die Mitarbeiter von SAP um. Das ist das Ergebnis der aktuellen Mitarbeiterbefragung des Walldorfer Software-Anbieters.

«Wir sind mitten in einer Transformationsphase», erklärte Finanzvorstand und Arbeitsdirektor Werner Brandt am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa.

Der Wandel in der IT-Branche mache sich bemerkbar. «Gleichzeitig durchlaufen wir einen Managementwechsel», sagte Brandt. «Beide Faktoren sorgen sicherlich auch für Unsicherheiten in der Belegschaft.»

Der sogenannte Employee-Engagement-Index lag zwar auch in diesem Jahr bei 77 Prozent - das ist genau so viel wie bei der vergangenen Vollumfrage 2011. Gegenüber der Stichprobe im vergangenen Jahr, bei der nur die Hälfte der rund 66 000 SAP-Mitarbeiter befragt wurde, ist der Wert aber um zwei Prozentpunkte zurückgegangen. Dabei will SAP das Engagement bis 2015 auf 82 Prozent steigern.

«Es gab viel Bewegung im Vorstand, aber wenig Erklärung», sagte der Betriebsratsvorsitzende Stefan Kohl. «Das Vorgehen des Vorstands wirkt teilweise unabgestimmt.» Jim Hagemann Snabe wird Bill McDermott im kommenden Jahr das Ruder überlassen. Er will in den Aufsichtsrat wechseln. Personalvorstand Luisa Delgado und der für das Cloud-Geschäft zuständige Lars Dalgaard verließen das Unternehmen.

Werner Brandt selbst gibt seinen Posten Mitte 2014 an seinen Nachfolger Luka Mucic ab. Gleichzeitig bemüht sich SAP derzeit gut drei Jahren massiv, mit neuen Technologien in neue Bereiche wie das Geschäft mit Mietsoftware vorzudringen, was den Mitarbeitern viel Extra-Arbeit abverlangt.

«Insgesamt sind die Umfragewerte gemischt ausgefallen, aber neun von zehn Mitarbeitern sind stolz darauf, bei SAP zu arbeiten», sagte Brandt. 83 Prozent sagen, sie sind von den Unternehmenszielen überzeugt. Damit ist dieser Wert gegenüber den zurückliegenden Umfragen um vier Prozentpunkte gesunken.

Der Wert in der Dimension Strategie und Ausrichtung ist noch deutlicher zurückgegangen - um neun Prozentpunkte auf 65 Prozent. «Für Deutschland liegt der Wert noch niedriger, nämlich bei 57 Prozent», sagte Brandt. Das Vertrauen in den Vorstand ging sogar um zehn Prozent zurück.

«Das ist ein deutliches Signal, war aber zu erwarten», sagte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Christiane Kuntz-Mayr. Neben Veränderungen im Bonusplan gab es noch eine Reihe von Umorganisationen, die den Mitarbeitern aufstießen. Hinzu kommt, dass sie möglicherweise in Zukunft ganz auf die Position eines Personalvorstands verzichten müssen, der sich für ihre Belange einsetzt.

Zudem mussten sie sich trotz hoher Wachstumsraten Kritik von ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden Hasso Plattner anhören, der dem «Spiegel» sagte: «Manchmal will ich die Walldorfer Entwickler packen und schütteln und anschreien: "Bewegt euch schneller!".»

Die Betriebsratschefs wünschen sich vor allem eines: «Die Kommunikation muss präziser werden, das "Warum" muss erklärt werden», sagte Kuntz-Mayr. Kohl findet außerdem, dass der Vorstand dieselbe Veränderungsbereitschaft an den Tag legen müsste, wie er sie von der Belegschaft abverlangt. «Arbeit muss wieder mehr Wert bekommen, als Präsentation und Selbstdarstellung», sagte Kohl.

Der Vorstand will die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung nun in die Weiterentwicklung der Strategie einarbeiten, die er Anfang 2014 der Belegschaft vorstellen will. «Wir haben aber auch klar mitgeteilt bekommen, dass wir die Wachstumsstrategie für SAP noch besser kommunizieren müssen», sagte Brandt. «Es geht vor allem um eine deutliche Vereinfachung der SAP in allen Bereichen.»

Die Stimmung der Mitarbeiter hat bei SAP eine besondere Bedeutung - die Zufriedenheit gehört mit zu den vier strategischen Unternehmenszielen. 2010 musste der damalige SAP-Chef Léo Apotheker seinen Hut nehmen, weil er den Rückhalt der Mitarbeiter und der Kunden verloren hatte. Damals war die Zufriedenheit allerdings noch deutlich niedriger als heute.