Zwölf Tote bei Anschlag auf islamkritisches Magazin

Bei einem Mordanschlag mutmaßlicher Islamisten auf das religionskritische französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» sind am Mittwoch mindestens 12 Menschen getötet worden. Mehrere weitere seien schwer verletzt, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit.

Zwei Täter drangen mit Kalaschnikows in die Redaktionsräume ein und ermordeten neben anderen vier prominente Zeichner. Unter den Toten ist Redaktionsleiter Stéphane Charbonnier alias Charb, der unter anderem mit Mohammed-Karikaturen international bekannt wurde.

Nach Angaben von Ohrenzeugen sollen die Terroristen «Allah ist groß» und «Wir haben den Propheten gerächt» skandiert haben. Die beiden Männer konnten fliehen. Es ist der schwerste Terroranschlag in Frankreich seit Jahrzehnten.

Angesichts des Terroraktes rief Präsident François Hollande die Nation zur Einheit auf. Er sprach von «Barbarei» und einem «Schock für Frankreich». Hollande berief eine Krisensitzung des Kabinetts ein. Seine Sozialistische Partei rief zu einem «Marsch der Republikaner» auf. Der Rat der Muslime in Frankreich nannte den Terroranschlag «barbarisch» und einen «Angriff auf die Demokratie und die Pressefreiheit».

Für den Großraum Paris wurden sofort die höchste Sicherheitsstufe und eine Großfahndung angeordnet. Für Deutschland sehen deutsche Sicherheitskreise keine Anhaltspunkte für eine erhöhte Terrorgefahr; es herrsche unverändert eine «abstrakt hohe» Gefährdung, hieß es.

Im Internet kursieren offenbar von einem Dach aufgenommene Videos von der Straße vor der «Charlie-Hebdo»-Redaktion im Osten der französischen Hauptstadt. Darauf sind zwei schwarz vermummte Männer zu erkennen, die scheinbar unaufgeregt agieren. Ein Täter geht mit einem Schnellfeuergewehr auf einen bereits auf dem Bürgersteig liegenden Polizisten zu und feuert auf ihn. Auf Fernsehbildern war ein Polizeiwagen mit Einschusslöchern zu sehen.

Erst am Mittwoch war die aktuelle Ausgabe von «Charlie Hebdo» erschienen. Das Titelbild des Wochenmagazins zeigt den Schriftsteller Michel Houellebecq, der derzeit mit dem Roman «Soumission» (Unterwerfung) über Frankreich unter einem islamischen Präsidenten für Furore sorgt. Der Roman erschien ebenfalls am Mittwoch.

Der Terroranschlag löste international Betroffenheit aus. «Diese abscheuliche Tat» sei ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach von einem abscheulichen Angriff auf die Pressefreiheit. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker verurteilte die Tat als «Barbarei», der britische Premier David Cameron nannte sie «ekelerregend».

«Charlie Hebdo» war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen in die Kritik geraten. Bereits im November 2011 waren nach der Veröffentlichung einer «Scharia»-Sonderausgabe mit einem «Chefredakteur Mohammed» die Redaktionsräume in Flammen aufgegangen. Die Internetseite war zudem mehrfach von Hackern angegriffen worden.