Zwölfter Piloten-Streik: Jeder zweite Lufthansa-Flug fällt aus

Lufthansa-Passagiere müssen sich schon wieder auf Flugausfälle gefasst machen. Zum zwölften Mal innerhalb eines Jahres streiken an diesem Mittwoch die Mitglieder der Piloten- Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) bei der größten deutschen Fluggesellschaft.

Das Unternehmen hat einem vorläufigen Flugplan zufolge rund 750 von 1400 geplanten Flügen gestrichen. Von den Absagen betroffen sind rund 80 000 Passagiere, die vor allem über die Drehkreuze München und Frankfurt reisen wollten.

Die Gewerkschaft kündigte an, ihre Streiks noch zu verschärfen: «Die VC wird ihre Arbeitskampfmaßnahmen ausweiten, um den Druck auf die Lufthansa zu erhöhen», schrieb die Gewerkschaft am Montag.

Das könnte dem Vernehmen nach bedeuten, dass kurzfristig schon dieser Arbeitskampf verlängert oder auch auf andere Betriebsteile wie den Cargo-Verkehr, die Fernflüge oder die Germanwings ausgeweitet werden könnte. «Wir können noch die nächsten paar Jahre streiken», drohte ein VC-Sprecher am Dienstag.

Hintergrund der mittlerweile zwölften Streikwelle ist das erneute Scheitern der Tarifgespräche zwischen Unternehmen und VC in der vergangenen Woche. Lufthansa hatte nach eigenen Angaben ein verbessertes Angebot zur Übergangsversorgung der rund 5400 nach dem Konzerntarifvertrag bezahlten Piloten vorgelegt. Die Fluggesellschaft warf der Pilotengewerkschaft nun vor, die erneute Streikankündigung entbehre jeder Verhältnismäßigkeit.

Die VC ihrerseits hielt der Lufthansa vor, nicht ernsthaft auf einen Tarifabschluss hinzuarbeiten. «Lufthansa schickt Parolen in die Öffentlichkeit, die keinen ernsthaften Einigungswillen erkennen lassen.

Mit «Basta-Ansagen» über die Öffentlichkeit löst man keine Tarifkonflikte», erklärte die VC-Tarifexpertin Ilona Ritter. Ein für Dienstag geplantes Gespräch über die künftigen Pilotengehälter sagte die Lufthansa nach der VC-Streikankündigung ab. Das entsprechende Angebot habe man zurückgezogen.

Kurz- und Mittelstreckenflüge sollten am Mittwoch ganztägig bestreikt werden, wie die Gewerkschaft ankündigte. Schwerpunkte sind die Verbindungen über die Drehkreuze Frankfurt und München. Flüge der Lufthansa-Töchter Germanwings und Eurowings seien nicht betroffen. Das Langstreckenprogramm laufe ebenfalls wie geplant, teilte die Airline mit.

Den meisten Passagieren, die vom Arbeitskampf betroffen seien, könnten Alternativen auf andere Flüge oder innerdeutsche Zugverbindungen angeboten werden. Das Unternehmen hatte am Nachmittag bereits 20 000 SMS und 7000 E-Mails an betroffene Fluggäste verschickt. Für Fahrten mit der Bahn müssen die Tickets vorher umgebucht werden - am Schalter, am Automaten oder über das Internet.

Die Piloten hatten in den vergangenen Monaten wiederholt bei den Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings gestreikt.

Das Unternehmen beklagt einen streikbedingten Schaden von rund 220 Millionen Euro. Offizieller Streikanlass war bislang immer die umstrittene Übergangsversorgung der Piloten bis zur gesetzlichen Rente. Es ist aber auch noch eine Vielzahl weiterer Tarifthemen ungelöst - und es gibt einen heftigen Streit über den künftigen Kurs bei Europas größtem Luftfahrtkonzern.