Kinder von Kamp:

Verunglücktes Wasserflugzeug wieder sichtbar

67 Jahre liegt eine Dornier 24 auf dem Grund des Kamper Sees. Nun gibt es die ersten Bilder von der Unglücksmaschine. Die Initiatoren der Hebung der Do 24 mit mehr als 70 toten Kindern an Bord hoffen auf konkrete Aussagen zu den Kosten der Bergung.

verunglückte Dornier

 67 Jahre lang hat außer einigen Tauchern niemand mehr die Unglücks-Dornier vom Kamper See zu Gesicht bekommen. Dank moderner Messtechnik liegen nun die ersten Bilder von dem Wasserflugzeug vor, das am 5. März 1945 – höchstwahrscheinlich infolge eines Treffers durch einen sowjetischen Panzer – in das Gewässer nahe der heutigen polnischen Ostseeküste  gestürzt war. Nur ein Passagier soll sich damals gerettet haben können. Mehr als 70 Kinder aus Lagern der so genannten Kinderlandverschickung und Flüchtlinge starben an dem Tag in dem Flugzeug.

Auf Initiative des Bürgermeister von Treptow an der Rega (Trzebiatow), Zdzislaw Matusewicz, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und des deutsch-polnischen Grenzlandvereins soll das Flugzeug nun gehoben werden. Die in Auftrag gegebene Ortung und Einmessung der Dornier Anfang dieses Jahres (der Nordkurier berichtete) ergab als Ergebnis nicht nur verschiedene grafische Aufnahmen, sondern auch eine umfangreiche, derzeit aber erst auf Polnisch vorliegende Analyse.

Vier Meter unter Wasserspiegel

Wie schon vorher, nach einem Tauchgang vor etwa drei Jahren vermutet, ist die Dornier in mehrere Teile zerbrochen. Der weitaus größte Teil des Rumpfes samt Cockpit ist offensichtlich in einem Stück erhalten (siehe Radarbild). Dagegen sind die Tragflächen sowie das Heck weggebrochen. Zudem ergab die Auswertung der vertikalen und horizontalen Aufnahmen des See-Untergrunds, der aus einer Schlammschicht von mehreren Metern besteht, dass die tiefsten Teile des Flugzeugs vier Meter unter dem Wasserspiegel, also tief im Schlamm vergraben, liegen. Die obersten Segmente befinden sich etwa 1,80 Meter unter der Wasseroberfläche.

Damit dürfte sich bewahrheiten, dass die Hebung der Dornierteile kein leichtes Unterfangen sein wird. Die Vorstellung, die Maschine mittels eines auf Pontons stehenden Krans zu heben, waren ohnehin schon frühzeitig ad acta gelegt worden. Erste Kostenschätzungen waren von einer hohen fünfstelligen Summe ausgegangen.

Hebung des Flugzeugs erst 2013

Auch Wolfram Althoff, Beauftragter des Volksbunds für dieses Projekt, liegen die ersten Bilder bereits vor. Auf der Basis der Angaben müsse nun erst einmal der Antrag an die Wojewodschaft Westpommern zur Hebung der Maschine gestellt werden, sagte Althoff gestern. Wann  der Wojewode diese Genehmigung erteilt, sei noch völlig unklar. Erst wenn das Okay vorliege, werde der Volksbund auch intensiver in die Werbung von Spenden einsteigen.

Schon jetzt könne aber für das Projekt auf ein Konto des Vereins Pomeraniak gespendet werden. Angesichts der noch ausstehenden Genehmigung und des
hohen Finanzbedarfs für das Projekt gehen Althoff und Bürgermeister Matusewicz inzwischen davon aus, dass die Do 24 erst im kommenden Jahr gehoben werden kann.