Kinder von Kamp:

Wird das Flugzeug je geborgen?

Das Projekt zur Hebung eines Wasserflugzeugs in Westpommern ist ins Stocken geraten. Jetzt ist das Tischtuch zwischen Grenzland-Verein Pomeraniak und Rathaus endgültig zerschnitten. Der Verein weist zugleich alle Verdächtigungen zurück.

 Ehrung der Opfer von Kamp

Jan Bach hat einen Packen Kontoauszüge mitgebracht. Belege, die Ein- und Auszahlungen des Grenzland-Vereins Pomeraniak bis auf den letzten Cent belegen. „Wir können alle Buchungen nachweisen und haben das auch gegenüber unseren Partnern schon im Sommer 2012 getan“, versichert er. Jan Bach ist stellvertretender Vorsitzender der Pomeraniak, dem Verein, der Ende 2011 die Bergung eines im März 1945 in den See von Kamp abgestürzten Wasserflugzeugs mit mehr als 70 Flüchtlingen an Bord initiiert hatte.

Die Partner des Vereins: Die polnische Stadt Trzebiatow (Treptow an der Rega) in persona des Bürgermeisters Zdzislaw Matusewicz und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, vertreten durch den Sonderbeauftragten Wolfram Althoff. Noch vor gut einem Jahr, zum Gedenken des Absturzes am 5. März 1945, herrschte eine optimistische Stimmung unter den drei Partnern, zahlreichen Zeitzeugen, Angehörigen von Opfern, polnischen und deutschen Politikern, die im Hangar des früheren deutschen Fliegerhorstes am Kamper See der Toten gedachten. „2013 wird das Jahr der Hebung“, hieß es seinerzeit aus vielen Mündern.

Zwölf Monate später wagt niemand mehr Prognosen anzustellen. Das Tischtuch zwischen dem Pomeraniak-Verein auf der einen sowie Bürgermeister Matusewicz und dem Volksbund ist endgültig zerschnitten. „Wir betrachten Pomeraniak nicht mehr als Partner in unserem Projekt“, erklärt Matusewicz gegenüber dem Nordkurier. Der Verein sei voll verantwortlich für die „Mängel im Projekt Kinder von Kamp“. Zuvor hatten Gerüchte und mehr oder weniger unterschwellige Vorwürfe gegenüber dem Pomeraniak-Verein monatelang die Runde gemacht. Angeblich seien Spenden veruntreut beziehungsweise nicht sauber abgerechnet worden.

Pomeraniak: Die Partner kennen die Zahlen

Kritik, die Jan Bach entschieden zurückweist. Bereitwillig legt er die Kontoauszüge des Vereins ab dem 1. Dezember 2011 bis zum heutigen Datum offen. Nachzuvollziehen sind sowohl der Eingang von Großspenden wie die 10.000 Euro der Familie Dornier im März 2012 als auch die Buchungen diverser kleinerer Spenden vieler Bürger. Zudem die allgemeinen Ausgaben des Vereins sowie die Bezahlung von Rechnungen zugunsten des Projekt „Kinder von Kamp“.

„Die Zahlen hatten wir der Stadt und dem Volksbund bereits bei einem Gespräch am 3. Juli 2012 sowie Ende Februar und Anfang März 2013 zur Verfügung gestellt“, sagt Jan Bach. Er könne es deshalb nicht nachvollziehen, warum Matusewicz und Althoff ihre Vorwürfe am 5. März dieses Jahres noch einmal gegenüber den Medien wiederholt hätten. „Das suggeriert für mich Misstrauen. Unter diesen Umständen kann es natürlich keine sachliche Zusammenarbeit mehr geben“, sagt der Pomeraniak-Mann. Für Unmut beim Volksbund hatte auch gesorgt, dass Jan Bach im Herbst vergangenen Jahres monatelang nicht erreichbar gewesen sei und dann auch noch die Internetseite plötzlich vom Netz ging. Er sei längere Zeit schwer krank gewesen, so Bach.

Bürgermeister Matusewicz sei aber regelmäßig von ihm informiert worden, sagt Bach.
Das Jahresabonnement der Internetseite sei Anfang 2013 ausgelaufen. Angesichts der sich mehrenden Vorwürfe habe sich der Verein entschlossen, „nicht weiter die Verantwortung für die Weiterfinanzierung der Internetseite zu übernehmen“, heißt es in einem ausführlichen Schreiben an Matusewicz, das Bach mit dem Vereinsvorsitzenden Jacek Stachyra Mitte März verfasst hat. Die Reaktivierungsdaten seien der Stadt mitgeteilt worden.

Ein weiterer Kritikpunkt der Stadt: Pomeraniak habe kein gesondertes Spendenkonto für das Projekt „Kinder von Kamp“ geführt. Dies, so kontert Bach, sei allerdings allen Hauptakteuren von Anfang an mitgeteilt worden. „Die Zahlungseingänge zu dem Projekt werden aber selbstverständlich gesondert aufgelistet“, versicherten Bach und Stachyra in ihrem Brief.

Spenden werden zurücküberwiesen

Laut den Unterlagen von Pomeraniak wurden 17.490  Euro an Spenden für die „Kinder von Kamp“ eingenommen. Dem stehen Ausgaben von 6807 Euro gegenüber, unter anderem für die Einmessung des Flugzeugwracks sowie Informationsmaterialien.
Da sich kein anderer Projektpartner bereit erklärt habe, die bereits eingeworbenen Spenden zu übernehmen, werde Pomeraniak das Geld in Absprache mit dem Finanzamt an die Spender zurück überweisen, versichert Bach. Auch deshalb habe der Verein lange Zeit keine Spendenquittungen ausstellen können.

Zudem, so Bach, habe Pomeraniak dem Bürgermeister bereits frühzeitig eine Liste mit allen notwendigen Genehmigungen für die Hebung des Flugzeugwracks übergeben. „Mit dieser Liste der behördlichen Prozeduren war klar, was zu tun ist und darauf haben wir gewartet“, erklärt Bach.

Zumindest in diesem Punkt sieht er sich mit dem Volksbund einig. Auch dessen Sonderbeauftragter Althoff zeigte sich jüngst ungehalten darüber, dass noch nicht eimal ein offizieller Antrag für die Bergung der Dornier 24 bei der Wojewodschaft gestellt worden sei.

Wann das Wrack samt möglicher sterblicher Überreste nun gehoben wird,
ist derzeit völlig unklar. Es ist nicht auszuschließen, dass die Dornier 24 mit den möglichen sterblichen Überresten für immer auf dem Grund des Kamper Sees liegen bleibt.