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120 000 Augen-Operationen in 20 Jahren

VonFrank WilhelmDie Neubrandenburger Augenklinik feiert ihren 50.Geburtstag. Der heutige Chefarzt Prof. Höh sieht eine kontinuierliche Entwicklung, auch ...

Prof. Helmut Höh mit seinen Krankenschwestern von der Station bei der Besprechung des OP-Planes: Judith Voigt, Heidrun Westphal, Gundula Jupe und Jutta Weule (von links).  FOTO: Frank Wilhelm

VonFrank Wilhelm

Die Neubrandenburger Augenklinik feiert ihren 50.Geburtstag. Der heutige Chefarzt Prof. Höh sieht eine kontinuierliche Entwicklung, auch über die Wende hinweg.

Neubrandenburg.Als Prof. Helmut Höh vor 20 Jahren seinen Dienst als Chefarzt in der Neubrandenburger Augenklinik antrat, fand der Homburger Überraschendes vor. „Die Klinik war, auch im Vergleich mit Krankenhäusern im Westen, sehr gut ausgestattet. Meine Vorgängerin hatte sehr gute Arbeit geleistet“, sagt Höh, kurz bevor am Sonnabend der 50. Geburtstag mit einem Symposium und einem Gala-Abend begangen wird. Das Lob gebühre seiner Vorgängerin, Edith Reumuth. Sie hatte die Klinik mit anfangs 14 Betten 1963 aufgebaut – am Neubrandenburger Sonnenkamp. Station und OP wurden sich noch mit der HNO-Abteilung geteilt. 1975 erfolgte dann der Umzug in die Pfaffenstraße, wo man sich auf 29 Betten erweiterte. Bis 1993 war die Augenklinik dort zu finden.
Und bis in diese Zeit, 30Jahre lang, prägte Edith Reumuth die medizinische Entwicklung der Klinik, die auch in der DDR einen guten Ruf hatte, hebt Höh hervor. Er freue sich besonders, dass seine Vorgängerin heute ein Grußwort halten werde.
Was die rund 25 Schwestern in der heutigen Augenklinik betrifft, profitiert Höh nach wie vor von den DDR-Zeiten. Viele der Frauen arbeiten schon Jahrzehnte auf der Station, die Fluktuation sei vergleichsweise gering. Die leitende Stationsschwester Heidrun Westphal beispielsweise hat 1975 an der Klinik als Azubi angefangen, seit 1986 ist sie verantwortlich für die Schwestern. „Solche Konstanten braucht man in einer Klinik. Das ist ein Riesenvorteil“, hebt Höh hervor.
Daher gebe es auch keine Nachwuchsprobleme, was die Schwestern betrifft. Auch die Besetzung der vier Oberarzt-Stellen sei kein Problem. Gerade erst hat ein Mediziner-Paar aus Hannover zwei vakante Stellen ausgefüllt. Schwieriger sei es mit den Assistenzarzt-Stellen, für die der deutsche Nachwuchs einfach nicht ausreiche. Hier haben die Patienten daher Bekanntschaft mit jungen Medizinern aus Polen, Rumänien oder Griechenland schließen können. Derzeit gebe es eine starke ungarische Fraktion unter den Assistenzärzten, sagt Höh: „Alle beherrschen die deutsche Sprache aber perfekt.“
Nach der Wende hat sich das Angebotim Zusammenhang mit dem medizinischen Fortschritt gravierend verbessert. 1993 sei die Glaskörperchirurgie eingeführt worden. Seit 1995 wird mit Hilfe minimal invasiver Techniken, der so genannten Kleinstschnitt-Chirurgie, der grüne Star behandelt. Seit 2007 setzt das OP-Team um Höh mittels dieser Technik auch Stents ein, um den Abfluss von Augenwasser zu verbessern. „Damit haben andere Augenkliniken in Deutschland gerade jetzt erst angefangen“, sagt Höh.

2500 Mal Hilfe
bei grauem Star
Vor knapp zehn Jahren wurde das Kataraktzentrum eröffnet. Es ermöglicht Patienten, die am grauen Star erkrankt sind, die ambulante Operation innerhalb nur eines Tages. Morgens erfolgt die Aufnahme, am Nachmittag nach der OP die Entlassung nach Hause. 2500 Operationen pro Jahr werden allein im Kataraktzentrum durchgeführt. Insgesamt erfolgen an in der Neubrandenburger Einrichtung rund 8000 Eingriffe verschiedenster Art, von der schnellen Hilfe bei Augenverletzungen bis hin zu komplizierten Netzhautablösungen. Damit erledigen die Ärzte der Augenklinik immerhin ein Viertel der insgesamt am Bonhoeffer-Klinikum anfallenden Operationen.In den vergangenen 20 Jahren gab es in der Viertorestadt rund 120000Operationen. Die Patienten kommen insbesondere aus dem Gebiet des ehemaligen Bezirks Neubrandenburg, aber auch aus anderen Landesteilen von Mecklenburg-Vorpommern.
Wegen der Sanierung des großen Bettenhauses des Bonhoeffer-Klinikums logieren Station und Ambulanz derzeit im künftigen, 2012 fertiggestellten Haus der Psychiatrischen Klinik auf dem Krankenhausgelände. Deshalb müssen die OP-Patienten auf einem fast einen Kilometer langen Weg unterirdisch von der Station zu den OP-Sälen transportiert werden – mittels eines eigens angemieteten Elektro-Shuttles. Höh geht aber davon aus, dass die Klinik Ende des Jahres wieder umziehen kann: „Die Patienten können sich dann auf schönere Zimmer und Bäder freuen. Zudem liegen die Station und die Ambulanz dann dichter beisammen auf zwei benachbarten Etagen.“

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f.wilhelm@nordkurier.de