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Aufmerksame Friseurin rettet ihrer Kundin das Leben

Der Tod der Studentin Tugçe A. hat die Menschen bewegt. Sie zeigte Zivilcourage und bezahlte mit ihrem Leben. Das Beispiel wirft die Frage auf: Soll man helfen? Ja, aber mit Vorsicht sagt die Polizei und ehrt Leute, die das getan haben. 

Beate Schmelter rettete dank ihrer Aufmerksamkeit einer Frau das Leben. Siegfried Stang, Chef der Neubrandenburger Polizeiinspektion, überreichte ihr am Montag deshalb eine Urkunde.
Ingmar Nehls, Arno Burgi Beate Schmelter rettete dank ihrer Aufmerksamkeit einer Frau das Leben. Siegfried Stang, Chef der Neubrandenburger Polizeiinspektion, überreichte ihr am Montag deshalb eine Urkunde.

"Zivilcourage kann man nicht abverlangen. Man hat sie oder man hat sie nicht. Vielleicht kann man sie aber fördern“, sagt PI-Chef Siegfried Stang und zeichnete darum am Montag Menschen aus, die beispielhaft Courage gezeigt haben. So wie Beate Schmelter, die durch Aufmerksamkeit und Mitgefühl einer älteren Dame das Leben gerettet hat.

Beate Schmelter arbeitet seit elf Jahren in einem Friseursalon in der Kranichstraße. Eine ihrer Stammkundinnen kam nicht zum vereinbarten Termin, obwohl sie immer sehr zuverlässig ist. „Ich hatte ein unwohles Gefühl“, erzählt Beate Schmelter. Die 29-Jährige kennt einige Stammkunden inzwischen ganz gut und weiß auch, wo sie wohnen. Als die ältere Dame auch nicht an das Telefon ging, wurde Beate Schmelter unruhig und ging zur Kundin nach Hause. Dort klingelte sie vergeblich und erkundigte sich dann bei der Nachbarin, die aber auch nur wussten, dass die Dame zum Friseur wollte. Zum Glück folgte Beate Schmelter ihrem Instinkt und alarmierte die Polizei. So konnte die hilflose Frau in ihrer Wohnung gefunden und ins Krankenhaus gebracht werden.

"Unser Appell lautet, verbal zu helfen"

„Ich würde mir wünschen, dass die Menschen aufmerksamer durch das Leben gehen“, sagt Beate Schmelter. Neben ihr wurde auch ein Mann aus Waren geehrt, der den Beamten einen Einbruchsversuch in ein Warener Bistro meldete und dazu beitrug, dass die beiden Täter geschnappt wurden. Auch zwei Frauen aus Demmin zeigten Courage, als sie einen Mann festhielten, der zuvor eine Frau im Zug geschlagen hatte und vor der Polizei flüchten wollte.

„Das kann riskant sein. Unser Appell lautet, verbal zu helfen. Die Polizei allein kann nicht überall sein. Wir sind bei der Aufklärung von Verbrechen auf die Hinweise von Bürgern angewiesen“, sagt Siegfried Stang. Das Miteinander zwischen Polizei und Bürgern klappt in Neubrandenburg auch ganz gut. Das zeigt die gute Aufklärungsquote der Verbrechen. Mit 63,67 Prozent lag sie 2013 über dem Landesdurchschnitt von 58,31 Prozent. Besonders bei Delikten wie Raub und Körperverletzung konnten die Neubrandenburger Polizisten 94,19 Prozent der Fälle aufklären. Trotz schlimmer Verbrechen ist Neubrandenburg ein recht sicheres Pflaster, denn die Gewaltkriminalität und die Diebstahlkriminalität sind im Vergleich zu 2012 gesunken.