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Baustelle lässt Autofahrern Zeit für Zigarette und Mittag

Straßenbauarbeiten nerven jeden. Doch warum? Ändern kann man sowieso nichts. Da hilft nur frühes Losfahren und die Wartezeit sinnvoll nutzen. Und wenn es für einen Selbsttest ist: Wie geduldig ist der Autofahrer an sich?

Trübe Aussichten: Wer derzeit nach Neustrelitz will, darf sich viel Zeit für interessante Beobachtungen und eine Zigarette zwischendurch nehmen.
Silvio Witt Trübe Aussichten: Wer derzeit nach Neustrelitz will, darf sich viel Zeit für interessante Beobachtungen und eine Zigarette zwischendurch nehmen.

Der nächste Termin naht. Punkt 14 Uhr in Neustrelitz. Wann fährt man also am besten aus Neubrandenburg los, wenn zwischen Groß Nemerow und Usadel eine Baustelle den Verkehr aufhält? Im Ohr hat man dann immer die Horrorgeschichten aus dem Feierabendverkehr, in denen manche ganze Thermoskannen voller Kaffee leeren, während sie auf der Straße keinen Millimeter vorankommen.

Also geht es sicherheitshalber um 12.50 Uhr aus dem Stadtzentrum Neubrandenburgs los. Bis Groß Nemerow ist die Bundesstraße um diese Zeit ein Autofahrerparadies. Keine Radfahrer, keine Wochenend-Ausflügler und noch keine Lkw. Doch kaum hat man den Ort passiert, wird die Geschwindigkeit Meter um Meter limitiert, bis ein Schild die Bauampel ankündigt. Ganze sieben Minuten soll diese rot sein. Wie es im Leben so ist, steht kurz vor der eigenen Stoßstange in diesem Moment ein dicker Brummi, so dass man nicht sehen kann, wo die Ampel nun eigentlich steht und – viel wichtiger – welche Farbe sie gerade zeigt!

Direkt hinter dem Lkw steht ein Kompaktwagen mit Hamburger Kennzeichen. Zwei junge Damen nutzen
die Zeit für jeweils einen Blick in den Spiegel und aufs Handy, dann zünden sie sich eine Zigarette an. Theoretisch sollte man damit sieben Minuten beschäftigt sein. Doch schon nach fünf Minuten rollt der Verkehr wieder.

Zehn Minuten mehr als sonst

Aber nur wenige Meter. Dann bremsen wieder alle, weil auf der entgegengesetzten Spur ein größerer Truck die brenzlige Stelle hinter Krickow passieren will. Hier hat man den Asphalt abgefräst und neue Bordsteine gesetzt. Den zweiten Gang braucht man an dieser Stelle nicht und fühlt sich wie in einem 25-km/h-Mobil. Noch immer keine Ampel in Sicht und schon steht die Kolonne wieder. Die Mädels öffnen das Fenster und lüften für die zweite Zigarette. Auch andere Kraftfahrer nutzen die Pause. Der eine vertritt sich die Beine und gestikuliert, ein anderer hat die Mittagspause in sein Fahrzeug verlegt und muss gar nicht lange nach einem Mülleimer für die Reste suchen …

Auch diese sieben Minuten gehen schnell vorbei. Endlich ist auch die Ampel zu sehen. Sie steht schon wieder auf Rot, aber ein junger Mitarbeiter regelt den Verkehr nun per Hand. Das sind echte Glücksgefühle im Autofahreralltag! Über die neue Asphaltschicht braust man nun mit erlaubten 30 km/h bis kurz vor Usadel. Dann noch eine kleine Schanze und man ist wieder auf der „alten“ B 96. Neustrelitz naht. Die Uhr zeigt 13:35 – gut zehn Minuten mehr als sonst dauerte die Fahrt, aber die sind die Beobachtungen allemal wert. Schade eigentlich, dass die Bauarbeiten Ende Oktober schon wieder vorbei sind.