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Bei Schuldnerberatern wird das Geld knapp

Künftig gibt es in Neubrandenburg zwölf Stunden weniger Schuldnerberatung im Monat. Das könnte fatale Auswirkungen haben: Das lange Warten auf einen Termin treibt die unter Druck stehenden Schuldner womöglich in die Hände von Scharlatanen.

Die Schuldnerberater Nicolas Mantseris (links) und Kilian Schneider werben dafür, nicht erst zur Schuldnerberatung zu kommen, wenn das Kind schon lange in den Brunnen gefallen ist.
Andreas Segeth/Archiv Die Schuldnerberater Nicolas Mantseris (links) und Kilian Schneider werben dafür, nicht erst zur Schuldnerberatung zu kommen, wenn das Kind schon lange in den Brunnen gefallen ist.

Wenn das Hab und Gut gepfändet werden und der Geldautomat nichts mehr ausspuckt, dann können nur noch die Schuldnerberater helfen. Doch auch bei denen droht das Geld knapp zu werden. Land und Landkreis wollen die Zuschüsse für die Schuldner­beratungen kürzen und bringen somit die Wohltätigkeits- und Sozialverbände ins Strudeln. Im Klartext heißt das für die Neubrandenburger Schuldnerberater bei der Caritas: Die Beratungszeiten werden um zwölf Stunden im Monat gestrichen. Günter Jeschke, Kreisgeschäftsführer der Caritas Mecklenburg-Strelitz, spricht von fatalen Auswirkungen, auch wenn es die Viertorestadt nicht so hart trifft wie beispielsweise die Nachbarn in Waren. Dort sicherte der Verein Perspektive das Hilfsangebot ab und verkündete nun das Aus der Schuldnerberatungsstelle.

„Wir können nicht mehr so schnell reagieren“, erklärt Schuldnerberater Nicolas Mantseris in Neubrandenburg das Dilemma. Dies bedeute für seine Kunden längere Wartezeiten. Doch Mantseris weiß auch: Steht ein Insolvenzverfahren an, zählt im Prinzip jeder Tag. Wenn Schuldner aber keinen schnellen Termin erhalten, um ihre Probleme mit einem erfahrenen Berater besprechen zu können, öffnet das Tür und Tor für Scharlatane.

Davon gebe es in der ­Branche einige. Selbst in Neubrandenburg seien diese gewerblichen Schulden­regulierer aktiv. Die Schuldner stehen immens unter Druck, jede Hilfe werde an­genommen. „Was wir kostenlos anbieten, muss dann bezahlt werden“, sagt Mantseris. Selbst im Internet gebe es viele dieser angeblich kostenlosen Angebote von Geschäftemachern, die von der Not und dem Druck der Schuldner profitieren wollen. Das könne nicht sein, meint Mantseris. Denn damit setze eine Spirale ein, die die Betroffenen immer weiter in die Misere ziehe.

Statistik zeigt, wie hoch der Bedarf ist

Trotz der drohenden Kürzungen wollen die fünf Neubrandenburger Berater mit ihren Außenstellen in Neustrelitz, Stavenhagen und Friedland aber dennoch für akute Fälle sofort da sein. „Wir werden auch künftig umgehend reagieren“, verspricht Nicolas Mantseris. Das sei unter anderem der Fall, wenn sich der Gerichtsvollzieher angekündigt hat, das Konto gepfändet ist oder der Strom gesperrt wurde. „Die Leute können die offene Sprechstunde nutzen“, betont der Experte. „Wir sind auch telefonisch erreichbar.“

Die Neubrandenburger Schuldnerberater wissen nur zu gut, dass der Bedarf groß ist. Ihre Statistik spricht für die Notwendigkeit ihrer Arbeit. 412 neue Fälle wurden in Neubrandenburg im vergangenen Jahr an Neuaufnahmen registriert. 285 Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens landeten auf den Tischen. 615 Kurzberatungen waren nötig. Für 2014 liegen noch keine Zahlen vor. Aber auch in diesem Jahr geht Mantseris von einem ähnlich hohen Bedarf aus.

Die Politik hat bereits reagiert. Die Fraktion Die Linke will in die Kreistagssitzung am 27. Oktober einen Antrag einbringen, um die Arbeit der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstellen im Landkreis nachhaltig zu sichern.