Mecklenburger Seenrunde:

Bei Seenrunde kullern die Freudentränen

Rund 2500 Radsportler wagten sich bei Regen, Wind und Kälte auf die Landstraßen des Kreises. Während sie den Kampf gegen die Kilometer antraten, warteten ihre Lieben im Ziel - mancher voller Sorge

Erleichterung pur bei Sebastian Schmigiel und seiner Tochter Frances. Der Neubrandenburger hat zum ersten Mal in seinem Leben eine 300-Kilometer-Strecke geschafft. Danach war auch er geschafft.
Paulina Jasmer Erleichterung pur bei Sebastian Schmigiel und seiner Tochter Frances. Der Neubrandenburger hat zum ersten Mal in seinem Leben eine 300-Kilometer-Strecke geschafft. Danach war auch er geschafft.

Michaela Schmigiel war verdammt froh, als sie ihren Sebastian wieder in die Arme nehmen konnte. Als er am Samstagvormittag durchs Ziel fährt, rennt sie mit ihrer Tochter Frances ihrem Mann entgegen. So viele Stunden hatten sie seine Ankunft herbei gesehnt, insbesondere mitten in der Nacht. Denn Sebastian Schmigiel aus Neubrandenburg gehörte zu denjenigen, die am Freitagabend bei der Mecklenburger Seenrunde gestartet und die ganze Nacht durch gefahren waren.

„Ab Neustrelitz, nach 78 Kilometzern, war ich allein“, erzählt der 38-Jährige, der sich kurz nach dem Rennen erst einmal eine Decke über den Rücken warf. Ihm war kalt. Kein Wunder, die Nachttemperaturen lagen bei rund acht Grad, tagsüber nur geringfügig höher. Außerdem war er rund 100 Kilometer bei strömendem Regen gefahren. Ein paar Mal wäre er fast mit einem Reh oder einem Fuchs kollidiert, konnte aber gerade noch so ausweichen. „Ich habe immer an meinen Hund gedacht“, gesteht der „Finisher“, der zum ersten Mal überhaupt 300 Kilometer gefahren war.

Der Jack Russell und er hätten eine besondere Beziehung, wie selbst seine Frau anmerkt. Wenn es nach ihr ginge, würde ihr Mann nicht noch einmal starten, weil sie sich doch sehr um ihn sorgte. „Ab 200 Kilometer merkt man nichts mehr, da ist alles taub“, so der Neubrandenburger, der im Ziel über „Rücken- und Popo-Schmerzen“ klagte.

1000 Helfer für die Seenrunde

Davon konnte sich bei der 2. Mecklenburger Seenrunde jedoch wohl kaum jemand frei sprechen. Fast 2000 Sportler trauten sich den 300-Kilometer-Kanten zu. Mehr als 500 Damen zelebrierten ihre Frauenrunde über 90 Kilometer. Für die Veranstalter war dies ein voller Erfolg. Zwar gab es einige Pannen, Radfahrer der Nacht - die so genannten „Nightrider“ - hatten mit Unterkühlung zu kämpfen und hin und wieder gab es einen Sturz, aber alles in allem verlief jeder Zwischenfall glimpflich. Und gemessen an der Teilnehmerzahl sei die Zahl dieser Vorkommnisse gering, hieß es aus der Leitstelle.

Mehr als 1000 Helfer waren nötig, um die zweite Auflage der Seenrunde zu realisieren. Einer von ihnen war Ricky Wöllert.  Der 16-Jährige ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Wulkenzin. Insgesamt waren 450 Kameraden der freiwilligen Wehren des Kreises im Einsatz. Sie besetzten fast 70 Gefahrenstellen. Zwölf Krankenwagen waren für die Strecke unterwegs.

Fans feuern Radler an

Mehr als vier Stunden lang hatte er bei Regen und Wind in Wulkenzin an der Kreuzung gestanden, um die Radfahrer Richtung Neubrandenburg zu leiten. „Wann immer es etwas gibt, helfe ich mit“, sagt der junge Mann, der sich doch sehr über eine Bratwurst freute. Fans der Seenrunde, die am Straßenrand in Wulkenzin  ausharrten, hatten ihm dieses deftige Schmankerl vorbei gebracht. Und besagte hatten extra ein Banner gemalt, mit der Aufschrift „Noch ca. 5 km“, das Radsportlern schon aus dem vergangenen Jahr bekannt sein dürfte. Rund 20 Nachbarn und Familien hatten es sich unter einem Carport bequem gemacht und feuerten jeden einzelnen Radfahrer lautstark an. Die Wulkenziner feierten eine echte Seenrunde-Sause, die natürlich im Kulturpark für alle Teilnehmer und Helfer ihren krönenden Abschluss fand.

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