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Beim Jubiläumsfest auch an einen Alptraum erinnert

VonSusann MollGroßer Trubel auf dem Wildberger Sportplatz - nach dem Feuerwehrausscheid des Amtes Treptower Tollensewinkel lädt die gastgebende Wehr zu ...

Die Wildberger Löschtruppe hatte am Sonnabend doppelten Grund zum Feiern: vor dem Jubiläumsfest erreichte sie beim Amtausscheid auf dem eigenen Sportplatz den ersten Platz.  FOTOs: Susann Moll

VonSusann Moll

Großer Trubel auf dem Wildberger Sportplatz - nach dem Feuerwehrausscheid des Amtes Treptower Tollensewinkel lädt die gastgebende Wehr zu einem Jubiläumsfest ein.

Wildberg.„Wir schreiben den 8. Februar im Jahre 1913 und der Gemeindevorsteher Becker beruft eine Versammlung ein.“ Die Gäste im Wildberger Festzelt werden von der Bürgermeisterin Beatrix Papke auf eine kleine Zeitreise mitgenommen. „Zweck dieser Versammlung war es, die Gefahren durch Brände zu regulieren. Eine Freiwillige Feuerwehr soll gegründet werden.“ Mit diesem Beschluss der Wilderberger Bürger von damals begann eine Erfolgsgeschichte.
Bereits seit 100 Jahren sind in dem kleinen Ort ehrenamtliche Kameraden für die Sicherheit der Bewohner im Einsatz. Am Sonnabend wurde dieses Jubiläum im Anschluss an den Feuerwehramtsausscheid des Amtes Treptower Tollensewinkel auf dem Sportplatz in Wildberg gefeiert.
Die Arbeit als Feuerwehrmann im Jahre 1913 ist mit dem heutigen Stand gar nicht zu vergleichen. Ein Jahr nach der Gründung wurde der erste Mannschaftswagen angeschafft, ausgestattet mit Signalhorn, Eimern, Schaufeln und Handspritze. Die Truppe sei damals stolz gewesen, „im Kampf gegen den roten Hahn auf dem Dach“ so gut ausgerüstet zu sein, erklärt Beatrix Papke den Gästen. Gemeinsam mit einigen Zeitzeugen habe sie eine Art Chronik anlässlich des Jubiläums erstellt, die aber nicht ganz genau sei.
Die Geschichte vom größten Brand in der Gemeinde Wildberg im Jahre 1970 ist jedoch fast allen ein Begriff. Der Tag habe eigentlich mit einem freudigen Ereignis begonnen, erklärte die Bürgermeisterin in ihrer Festrede. So hatten sich Heinrich und Hedwig Reich aus dem Ort das Ja-Wort gegeben. Für Wildberg sei der Tag jedoch zu einem Alptraum geworden. „Als die Sirene losdröhnte, brannte das mit Reet gedeckte Dach der Scheune auf Müllershof bereits lichterloh.“ Das Stroh aus der Scheune sei mit dem Wind durch das ganze Dorf geflogen. Die Feuerwehr versuchte ihr Möglichstes, wegen des Windes bekamen die Kameraden das Feuer aber nicht in den Griff. Nach und nach gingen mehr Häuser in Flammen auf. Erst als der Wind nachließ, konnten die damaligen Kameraden den Großbrand löschen.
Seit 2005 leitet nun Frank Schwindeler die Wildberger Wehr und zählt 23 aktive Feuerwehrmänner in seiner Löschtruppe. Er könne auf seine Mannschaft zählen, auch wenn es nicht immer einfach ist. So sei es mittlerweile schwierig geworden die Einsatzbereitschaft am Tag zu sichern. Viele Kameraden arbeiten auswärts und könnten deshalb nicht so schnell vor Ort sein. Auch die Gewinnung von Nachwuchs sei nicht so einfach. Seit 2001 gebe es keine Jugendfeuerwehr mehr in Wildberg, sagt Frank Schwindeler. Gruppenführer Uwe Pade schildert das nächste Problem:„Viele junge Kameraden, die wir ausgebildet haben, ziehen weg.“
Dennoch sei die jetzige Besetzung der Löschtruppe stabil. Und auch die Leistungen der Männer können sich sehen lassen. Erneut haben sie am Sonnabend den ersten Platz in beiden Disziplinen des Feuerwehramtsausscheides und somit auch in der Gesamtwertung erreicht. „Sie haben es verdient“, sagt Bürgermeisterin Beatrix Papke, die sichtlich stolz auf ihre Feuerwehrmänner ist. Neben den Vorbereitungen für das Jubiläumsfest haben die Männer trotzdem noch fleißig trainiert. Dank gebühre aber auch den Ehefrauen und Familien der Kameraden, die bereit sind, das Ehreamt zu unterstützen „und so manches Mal zurückstecken, wenn ihre Männer mal wieder zur Feuerwehr müssen“, so das Gemeindeoberhaupt.

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