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Berater beugen für den Fall eines Amoklaufs vor

Der Präventionsberater der Polizeiinspektion Neubrandenburg, Ino Nattermann, ist ein Spezialist beim Thema Amok und Geiselnahme. Er weiß auch, wie wichtig gerade die Hausmeister an den Schulen in solchen Fallen sind.

In der neuen Regionalschule Ost gibt es einen Amokknopf, der im Notfall schnell betätigt werden kann.
Andreas Segeth In der neuen Regionalschule Ost gibt es einen Amokknopf, der im Notfall schnell betätigt werden kann.

Die Zahlen, die Ino Nattermann in Sachen Amoklauf parat hat, verblüffen. Denn gefühlt kann eigentlich nur die USA der negative Spitzenreiter in dieser Sache sein. Doch der Präventionsberater hält dagegen: „Deutschland ist leider Spitze.“ Bislang gab es in der Bundesrepublik 51 Amokläufe und auch die meisten Toten. Allein beim Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt im Jahr 2002 starben 16 Menschen.

„Damals ist aber auch alles falsch gelaufen, was falsch laufen kann“, weiß Ino Nattermann nach seinen Besuchen von speziellen Seminaren. Dort hat er sich als Berater ausbilden lassen, der weiß, wie Betroffene bei einem Amoklauf oder auch einer Geiselnahme vorgehen sollen.

Nach Erfurt soll es an allen Schulen Notfallpläne geben und auch sogenannte Krisenteams. „Dazu gehören der Schulleiter, dessen Stellvertreter, der Schulsozialarbeiter, Vertrauenslehrer, der Erste-Hilfe-Beauftragte und natürlich der Hausmeister“, erläutert Ino Nattermann. Der Hausmeister ist seiner Ansicht nach ganz wichtig, wenn nicht der wichtigste Mann, wenn es um die Sicherheit und die Verhinderung solcher Gewalttaten geht. Er kennt das Gebäude genau, die Schwächen der Fenster und Türen, durch die ein Amoklauf erfolgen kann. „Wenn ich in den Schulen bin, gehe ich auch jedes Mal mit dem Hausmeister durch das
Gebäude und wir schauen uns alles ganz genau an“, sagt er.

Auch an Grundschulen unterwegs

Bislang hat Ino Nattermann 40 Schulen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte besucht. Das Territorium des Kreises entspricht dem Gebiet der Polizeiinspektion Neubrandenburg, zu der der Präventionsberater gehört. „Wer denkt, hier bei uns passieren solche Sachen nicht, der irrt“, weiß er. Vor vier Jahren gab es eine Amokdrohung eines Jugendlichen in der Viertorestadt. Er kündigte es im Internet an und wurde entdeckt. Die Schulleitung reagierte. „Wir nehmen solche Drohungen ernst“, sagt Nattermann. Er rät jedem, der von einer Todesdrohung Kenntnis erhält, sich an die Polizei zu wenden.

Beraten hat der Neubrandenburger Polizist in den vergangenen Jahren vor allem Grundschulen, gibt er zu. „Der jüngste Amokläufer war elf Jahre alt“, reagiert er auf den erstaunten Blick, warum er gerade in den Grundschulen unterwegs ist. Es seien eben nicht immer nur die Großen, die austicken. Meist wenden sich die Schulen an ihn, weil sich die Lehrer nicht sicher fühlen. „Sie wollen wissen, wie sie sich verhalten sollen“, sagt der Berater. Er kann da helfen.