Aus dem Gericht berichtet:

Betreuer wehrt sich gegen harten Vorwurf des Betrugs

Das Amtsgericht Neubrandenburg muss klären, ob der Angeklagte vier seiner Schutzbefohlenen jahrelang fortwährend kleine Geldbeträge gestohlen hat.

Ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen sind oft auf Hilfe angewiesen. Es soll Fälle geben, in denen deren Vertrauen missbraucht wird.
Jens Kalaene Ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen sind oft auf Hilfe angewiesen. Es soll Fälle geben, in denen deren Vertrauen missbraucht wird.

Der Stress in seinem Job als vom Amtsgericht bestellter Betreuer sei gewaltig gewesen, rechtfertigt sich der Angeklagte während der Verhandlung beim Amtsgericht. Der Mann soll Geld seiner Schutzbefohlenen veruntreut haben, was er mit Nachdruck bestreitet. Angeklagt ist er außerdem wegen Urkundenfälschung. Die räumt er ein. Aber auch hier sei sein stressiger Job Schuld gewesen, beteuert er. Deshalb sei ihm ein Fehler unterlaufen.

Die Arbeitsbelastung habe mit der Veränderung des Betreuungsgesetzes 2004 enorm zugenommen, sagt er. Er habe immer mehr das Gefühl gehabt, den Überblick zu verlieren. Deshalb fälschte er eine Quittung über 1406,58 Euro. Die von ihm um dieses Geld betrogene heute 86-jährige Dame kam 2011 wegen ihrer zunehmenden Demenz ins Pflegeheim. Der Angeklagte musste 2012 die Wohnung auflösen. Der Betreuer hob dafür von ihrem Konto Geld ab. Er kalkulierte mit der malermäßigen Instandhaltung der Wohnung. Aus Erfahrung habe er die notwendige Summe dafür geschätzt, sagt er auf Nachfrage von Richterin Tanja Krüske. Die Wohnung musste dann aber doch nicht gestrichen werden.

Geld plötzlich nicht mehr zu finden?

Daraufhin verstaute er das bereits im Vorfeld dafür abgehobene Geld in seinem Büro. Als dann die Abschlussrechnung gefordert wurde, sei das Geld einfach nicht mehr zu finden gewesen. „Bei der Erstellung der Rechnung stellte ich fest, dass ich keinen Beleg mehr hatte.“ Sich zu offenbaren, daran dachte er nicht. Er fälschte die Rechnung und unterschrieb einfach als Malermeister. Anfangs stutzten die kontrollierenden Rechtspfleger nicht über diese Quittung. Doch sie verwunderte später schon, dass eine demente Frau eine Sammelquittung über an sie ausgezahlte Bargeldbeträge unterschrieben haben soll. So kamen die Ermittlungen gegen den Berufsbetreuer in Gang.

109 Fälle sollen es gewesen sein

In 109 Fällen soll der Mann vier seiner Mandaten von Januar 2008 bis Februar 2012 fortwährend um kleine Geldbeträge betrogen haben, so Staatsanwalt Klaus Oerters. Insgesamt sind so fast 20 000 Euro zusammengekommen.  Immer mal wieder habe er kleine Geldbeträge für sich oder „betreuungsfremd“ verwandt.  Nein, sagt der Angeklagte, er habe alles ordnungsgemäß abgerechnet und zwar über Sammelbelege.

Die Verhandlung wird in einer Woche mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

 

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