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Broda: Bürger schreiben an die Kanzlerin

Voller Sorge wendet sich die Bürgerinitiative gegen den geplanten Neubau eines Funkmastes in Broda an Angela Merkel. Unterdessen fordern SPD und Grüne auf Bundesebene neue Richtlinien für elektro- magnetische Strahlungen.

Sind die Strahlungen von Mobilfunkmasten gesundheitsgefährdend oder nicht?
S. Harter Sind die Strahlungen von Mobilfunkmasten gesundheitsgefährdend oder nicht?

+++ Anmerkung der Redaktion zu den aktuellen Kommentaren: Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2013. Die Anlage wurde bereits im Dezember 2016 gebaut. +++

Die Initiative „Bürger für Neubrandenburg“, die sich gegen den geplanten Neubau eines Mobilfunkmastes in Broda einsetzt, hat sich jetzt mit ihrem Anliegen direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt. „Verhindern Sie, dass Privatfirmen der Mobilfunkbranche auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung Techniken installieren, die in erster Linie kommerziellen Interessen dienen“, heißt es in dem Appell an die Regierungschefin.

Die Bürgerinnen und Bürger aus Broda seien empört und verzweifelt, weil ein von T-Mobile geplanter Mobilfunkmast trotz breiter Ablehnung der Bürger nun offenbar doch gebaut werden soll. Mehr als 1500 Unterschriften seien gegen die Anlage gesammelt worden – im Hinblick auf die 4500 Einwohner Brodas sei das eine sehr große Zahl. „Viele Neubrandenburger spüren die schädliche Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung am eigenen Körper“, heißt es weiter in dem Schreiben an die Kanzlerin. Die Bürgerinitiative erfahre Unterstützung von fast allen Parteien. Allerdings sei allen Vertretern der Kommunalpolitik und der Verwaltung bewusst, dass die Genehmigungskompetenz ausschließlich bei der Bundesnetzagentur liege. Deshalb laufe jedes mögliche Vorgehen der Kommune auf einen für sie nicht zu gewinnenden Rechtsstreit hinaus.

Deshalb wende man sich nun an die Bundeskanzlerin. Das Votum der Bürger aus Broda werde missachtet. Die in Deutschland geltenden Strahlungsgrenzwerte seien viel zu hoch. Andernorts werde die große Gefahr hochfrequenter und gepulster elektromnagnetischer Strahlung erkannt – beispielsweise in Brüssel, Salzburg, auf dem Firmengelände von BMW und im Berliner Regierungsviertel. In Neubrandenburg aber solle man hilflos dem ungebremsten Ausbau ausgeliefert sein.

Grenzwerte zu hoch?

Nach Angaben der BI gibt es im Neubrandenburger Stadtgebiet mittlerweile rund 500 Sendeantennen an 55 Standorten. Im vergangenen Jahr haben die Mitglieder an 40 Punkten der Innenstadt die Feldstärke der Mobilfunksender gemessen. „Zwar liegt die Strahlung unter den viel zu hohen gesetzlichen Grenzwerten in Deutschland, trotzdem wird aus unserer Sicht die Gesundheit der Anwohner gefährdet“, sagte BI-Mitglied Heike Wiehle im Dezember 2012.

Unterdessen haben die Gegner von Mobilfunkmasten in diesem März einen Etappenerfolg erzielen können. Die Bundestagsfraktionen der SPD und der Grünen haben einen gemeinsamen Entschließungsantrag formuliert. Darin machen sie auf neue Erkenntnisse zur gesundheitsgefährdenden Wirkung von elektromagnetischen Feldern aufmerksam – unter anderem von der Internationalen Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation. Die entsprechenden Vorschriften über die Grenzwerte müssten grundlegend überarbeitet werden, fordern SPD und Grüne von der Bundesregierung.

Kommentare (3)

„Verhindern Sie, dass Privatfirmen der Mobilfunkbranche auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung Techniken installieren, die in erster Linie kommerziellen Interessen dienen“ ... Es sind nicht die kommerziellen Interessen allein. Sie werden gesteuert von der Nachfrage, denn ohne diese würde wohl kaum ein Anbieter investieren. Somit richtet sich das Ansinnen der BI nicht gegen böse Anbieter sondern eigentlich doch gegen die bösen Nutzer! Also nieder mit all Jenen, die diese Medien nutzen. Deutschland ist zu einer Jammeroase auf höchstem Niveau verkommen. Da bauen Leute ihr Heim an der Autobahn oder neben einem Bolzplatz und verklagen dann Gott und die Welt, um eine Abschaffung des furchtbaren Lärms zu erlangen. Ich wünschte mir, dass all diese so furchtbar gebeutelten und so jammernden Zeitgenossen sich daran erinnern, dass es außer einzuklagenden Rechten auch noch bürgerliche Pflichten gibt. Aber dies scheint ein Punkt, an welchem plötzlich sämtliche Erinnerungen in einer traurig beklagenswerten retrograden Amnesie verschwinden ... Irgendwie stinkt mich das an

Die Bürgerinitiative engagiert sich für eine Unterlassung des Baus von weiteren Mobilfunk-Antennenmasten. Das ist ein hochwertiges Anliegen. Die Gesunderhaltung der Menschen ist billiger als die Wiederherstellung der Gesundheit. Inzwischen bereits wissen viele nur durchschnittlich gebildete Menschen von der schädigenden Wirkung elektromagnetischer Wellen bestimmter Wellenlängen und Feldstärken. Das ist eine unbestrittene wissenschaftliche Erkenntnis. Leider reicht der geistige Horizont des DERNEUMI nicht soweit, um dieses zu wissen, geschweige denn, es zu akzeptieren. Natürlich, eine unzureichende Netzabdeckung infolge zu weit auseinander stehender Mobilfunk-Antennenmasten fällt den Anbietern, wie Telekom, vodafone etc. auf die Füße, und deren Kunden beschweren sich. Eine Rückkehr zu Zeiten, in denen zur Nachrichtenübertragung untereinander Brieftauben ausgetauscht worden sind, ist für die Viel-Telefonierer undenkbar. Der Mast ist überflüssig. Niemand muß ständig erreichbar sein oder andere Nutzer erreichen können. Wie wäre es mit Briefe schreiben ?

Auch wenn der NK-Artikel das Rentenalter schon erreicht hat, Elektrosmog bleibt. Elektrosmog wird in Industrieländern heruntergespielt, weil mittlerweile der gesamte Lebensbereich mit elektromagnetischen Feldern durchsetzt ist. Alles was mit Strom zu tun hat (niederfrequente Felder) und alles was mit Funk zu tun hat (hochfrequente Felder). Der Niederfrequenzbereich ist unbedenklich, da hier "je weiter die Quelle, um so geringer die Strahlung". Im Hochfrequenzbereich gilt die Formel "Weit weg, geringer" nicht. Die EU hat bei der Risikobewertung ausschliesslich die Wärmeentwicklung der einfachen Hochfrequenzstrahlung zum menschlichen Körper auf dem Schirm. Treten Leistungsspitzen bei Hochfrequenzstrahlung auf, ist die EU taub, blind und stumm. Ein verständliches Beispiel für Leistungsspitze im Hochfrequenzbereich: je schlechter das Netzsignal am Mobilfunkgerät desto höher die Strahlungsintensität. Weiteres Beispiel: je mehr Mobilfunkgeräte im Radius einer Basisstation im Netz angemeldet, desto stärker strahlt die Basisstation. Neben Smartphones sind bekannte Hochfrequenzstrahler zu Hause Bluetooth, WLAN und DECT-Telefone (schnurlose Festnetztelefone). Unabhängig von der gültigen Doktrin, Elektrosmog sei ungefährlich, gibt das Bundesamt für Strahlenschutz Tipps im Umgang mit Hochfrequenzfeld-Endgeräten: http://www.bfs.de/DE/themen/emf/mobilfunk/schutz/vorsorge/smartphone-tablet.html Auf der Seite des Bundesamtes stehen auch weitere Geräte die Hochfrequenz strahlen: z.B. Babyphone, Ganzkörperscanner am Flughafen.