Ausstellung zu Rostock-Lichtenhagen:

Das kalte Grausen spürt die Polizistin auch heute noch

Lichtenhagen 1992 – die Polizistin Bianka Schröder war damals dabei. Darüber erzählt sie in der Neubrandenburger „Blauart“-Ausstellung und sorgt für Gänsehaut bei ihren Zuhörern.

Lichtenhagen 1992: Bianka Schröder (rechts) war dabei. Sie kann aus eigenem Erleben über die rassistischen Verbrechen von damals berichten.
Hartmut Nieswandt Lichtenhagen 1992: Bianka Schröder (rechts) war dabei. Sie kann aus eigenem Erleben über die rassistischen Verbrechen von damals berichten.

„Ich kriege diese Bilder nicht aus dem Kopf“, schildert Bianka Schröder, was in ihr vorgeht, wenn sie an Rostock-Lichtenhagen 1992 denkt. Damals tobte der Rassisten-Mob tagelang rings um das Sonnenblumenhaus – diesen Plattenbau mit der Riesen-Sonnenblume auf dem Giebel, in dem Vietnamesen und Asylbewerber um ihr Leben zitterten.

Bianka Schröder war zu jener Zeit als Polizei-Azubi in den Einsatz-Hundertschaften dabei. „Nicht ganz vorn, aber wir kriegten alles mit“, erinnert sie sich. Über diese Erinnerungen erzählt sie den Besuchern der sechsten Ausstellung in der „Blauart“–Galerie der Polizeiinspektion Neubrandenburg. Denn in dieser Ausstellung geht es unter anderem auch um Lichtenhagen-Fotos.

Clown spritzte mit Säure auf Polizisten

„Hast du auch gerade eine Gänsehaut?“, flüstert eine junge Frau aus der BUW-Gruppe einer anderen zu. Leute aus dem Bildungsinstitut für Umweltschutz und Wasserwirtschaft Neubrandenburg (BUW) sind häufig Gäste im „Blauart“. „Weil es für uns so interessant ist, alles auch mal aus der Polizei-Perspektive erzählt zu bekommen. Und weil Frau Schröder das immer super erklärt“, begründet einer der jungen Männer die regelmäßigen Besuche.

Bianka Schröder schlägt die Ausstellungsbesucher immer wieder auf ganz einfache Weise in ihren Bann – weil sie einfach schildert, was sie erlebte. Sie erzählt von einem als Clown verkleideten Demonstranten, der mit Säure auf Polizisten spritzte, vom Helm eines Polizisten, der von einer fliegenden Gehwegplatte gespalten wurde oder von Demonstranten, die Bordsteine in die Windschutzscheibe eines Einsatzfahrzeugs schleuderten.

Die Ausstellung in der Darrenstraße 2, die erschütternde Fotos aus dem Polizeialltag und als Kontrast mitreißende Gemälde des Malers Claus Müller-Schloen zeigt, ist noch bis 16. Juli geöffnet (dienstags bis donnerstags jeweils von 10 bis 15 Uhr). Unter der Rufnummer 0395 55825002 können allerdings auch außerhalb dieser Öffnungszeiten Termine für Führungen vereinbart werden.

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