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Das Leben der FDJ-Sekretärin Angela M.

VonRasmus BuchsteinerEin Autorenduo will belegen, dass Angela Merkel als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda zuständig gewesen ist. Wahrheit oder ...

VonRasmus Buchsteiner

Ein Autorenduo will belegen, dass Angela Merkel als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda zuständig gewesen ist. Wahrheit oder nur ein Trick, um für ein neues Buch zu bewerben?

Berlin.Seit fast acht Jahren ist Angela Merkel Bundeskanzlerin – nun werden neue, kritische Fragen zu ihrer DDR-Vergangenheit laut. Anlass ist ein Buch der Journalisten Ralf Georg Reuth („Bild“) und Günther Lachmann („Die Welt“). „Wir können belegen, dass Angela Merkel dem DDR-System näher war als bislang bekannt“, so Reuth. Man könne nachweisen, dass Merkel während ihrer Tätigkeit an der Akademie der Wissenschaften an ihrem Institut Funktionärin gewesen sei.
Die sozialistische „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ) war eine wichtige Stütze des DDR-Systems. Der Vorwurf gegen Merkel ist nicht neu: Sie bestreitet bereits seit Jahren, als FDJ-Sekretärin zuständig für Agitation und Propaganda gewesen zu sein. Ihre Mitgliedschaft in der FDJ räumt Merkel jedoch ein. „Agitation und Propaganda? Ich kann mich nicht erinnern, in irgendeiner Weise agitiert zu haben. Ich war Kulturbeauftragte“, sagte die Kanzlerin bereits 2005.
Das neue Buch über Merkels DDR-Vergangenheit soll nächste Woche unter dem Titel „Das erste Leben der Angela M.“ erscheinen. Die Autoren wollen die Erkenntnisse jahrelanger Recherche sowie „unzugängliche Dokumente, teils aus Privatbesitz“ präsentieren, erklärten sie gestern in der Bild-Zeitung.
Wie sie allerdings belegen wollen, dass Merkel FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda gewesen sein soll, lassen sie bis zum Verkaufsstart offen. Das Kanzleramt reagierte gelassen auf das angekündigte Erscheinen des Buches. Merkel habe in der Vergangenheit immer alle Fragen zu einer Tätigkeit als FDJ-Sekretärin „sehr offen beantwortet“, so ein Regierungssprecher. Merkel selbst zeichnet ein anderes Bild von ihrer Zeit an der Akademie der Wissenschaft: „Irgendwann hat mich jemand gefragt, ob ich nicht in der FDJ-Kulturarbeit am Institut mitmachen wolle, da sehe man wenigstens junge Leute, könne ins Theater gehen und so weiter.“ Sie habe „keine Laufbahn“ in der FDJ gewollt. Es sei eine „ungeheure Gratwanderung“ gewesen. Rückblickend könne sie aber sagen, „vielleicht hätte ich die Kontakte über die FDJ gar nicht gebraucht, wenn in von vorne herein Freunde am Institut gehabt hätte“. Dennoch wurde die heutige Bundeskanzlerin als junge Wissenschaftlerin Funktionärin der FDJ – nicht auf höherer Ebene, lediglich am Institut für physikalische Chemie.
Was sie dort getan hat? „Theaterkarten besorgt, Buchlesungen organisiert, Vorträge“, erinnert sie sich. „Auch alles, was zwischen den Zeilen kritisch gegenüber der DDR war, hat uns interessiert.“