Schlussakord mit dem Oberbürgermeister:

Das letzte Stadttheater endet mit einer Torte im Gesicht

Neubrandenburgs Oberbürgermeister „Peter Paul Krüger“ garniert die 30. Vorstellung der „Stadttheater“-Reihe mit Humor und Anekdoten. Ganz müssen die Fans künftig übrigens doch nicht auf das lokale Kabarett verzichten...

Eines konnte auch Silvio Witt nicht aus dem OB rauskitzeln: Wann das Stadtoberhaupt im nächsten Jahr seine Amtszeit beendet.
Andreas Segeth Eines konnte auch Silvio Witt nicht aus dem OB rauskitzeln: Wann das Stadtoberhaupt im nächsten Jahr seine Amtszeit beendet.

Welche Stadt kann schon von sich behaupten, dass sie eine eigene Kabarettveranstaltung besitzt, in der regelmäßig die lokalen Ereignisse satirisch aufgespießt werden? In Neubrandenburg passierte das in den vergangenen fünf Jahren regelmäßig. Nun nicht mehr.

Denn Silvio Witt beendet seine Reihe der „Stadttheater“. Für die letzte Veranstaltung, die im wieder proppenvollen Restaurant „berlin“ stattfand, hatte sich Witt einen angemessenen Gast eingeladen: Oberbürgermeister Paul Krüger. Obwohl: Eigentlich heißt er ja Peter Paul Krüger, wie er Silvio Witt gleich eingangs gestand und von seinem ganz persönlichen Kampf mit dem hiesigen Einwohnermeldeamt berichtete, um „Peter Paul Krüger“ in genau dieser Reihenfolge in seinen Ausweis schreiben zu lassen – obwohl sein Rufname doch Paul lautet.

Was sollte er denn im Forschungsministerium?

Wäre Krüger noch Bundesminister, hätte der Abend fast noch zu diplomatischen Verstimmungen mit Italien führen können. Denn auch Krüger kam nicht um den üblichen Fragebogen herum, den alle Gäste in den vergangenen fünf Jahren ausfüllen mussten, und gab „Südtirol“ als sein „Lieblingsland“ an. Interessant übrigens sein Lieblingstier: Der Elefant! „Wegen des Porzellanladens“, meinte Krüger trocken.

Er gab auch Anekdoten aus seinem Leben preis: Beispielsweise, wie sprachlos er als Bundestagsabgeordneter Anfang der 90er-Jahre war, als Bundeskanzler Helmut Kohl ihn in seinem Wahlkreisbüro in der Schwedenstraße anrief und ihm „das Bundesforschungsministerium“ anbot. Und Krüger erst mal nichts besseres als die Gegenfrage einfiel „Was soll ich denn da?“, weil Kohl sich nur sehr allgemein ausgedrückt hatte.

Viel pikanter war dafür Krügers Kommentar zu der bekannten Steigerung: „Feind, Todfeind, Parteifreund“ – „Das ist praktisch mein Leben“, erklärte der CDU-Politiker, was aber ganz sicher nur scherzhaft gemeint war... Denn gelacht wurde sehr viel an dem Abend. Die erste halbe Stunde selbstverständlich mal wieder mit einer Presserückschau der vergangenen fünf Jahre und natürlich auch wieder auf Kosten des Nordkurier...

Süße Rache für alle Veralberten

Am Ende aber erwischte es Silvio Witt selbst. Nachdem Krüger das Podium verlassen hatte, erschien Gastwirt Thomas Ganschow auf der Bühne und drückte dem perplexen Entertainer eine Sahnetorte ins Gesicht: Stellvertretend und als „Rache“ für all jene, die in den vergangenen 30 Stadttheatern von Witt veralbert worden waren.

Ganz muss man künftig aber doch nicht aufs Stadttheater verzichten: Das finde einerseits praktisch täglich von ganz allein auf den Straßen statt, meinte Witt. Andererseits könne man sich ja die Aufzeichnungen im Internet ansehen – und dazu gibt es ja noch die großen Jahresrückblicke mit ihm im Güterbahnhof. Die sollen weiter stattfinden. Dort kann er sich noch einige Torten im Gesicht verdienen – zum Glück.

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