Prostitution in der DDR :

Dem Klassenfeind für die Stasi schöne Augen gemacht

Offiziell gab es keine Prostitution in der DDR, sie war verboten. Aber trotzdem gingen einige Frauen dem horizontalen Gewerbe nach. Auch der Geheimdienst hatte dabei die Finger im Spiel. Ein Vortrag gibt Einblicke in das sozialistische Rotlichtmilieu.

Studien in der Stasi-Unterlagenbehörde bringen immer wieder neue Erkentnisse über die Arbeit des DDR-Geheimdienstes. Dazu gehörte auch, sich Prostituierter zu bedienen. 
Lukas Schulze Studien in der Stasi-Unterlagenbehörde bringen immer wieder neue Erkentnisse über die Arbeit des DDR-Geheimdienstes. Dazu gehörte auch, sich Prostituierter zu bedienen. 

Jung und bildhübsch war sie, die junge Neustrelitzerin. Kein Wunder, dass es ihr ein Leichtes war, Männer um den Finger zu wickeln. Genau darauf setzte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Die Mielke-Truppe warb die Frau aus dem Bezirk Neubrandenburg als Inoffizielle Mitarbeiterin an. So wurde sie zur Prostituierten im Kampf für den Sozialismus.

Der Fall steht exemplarisch dafür, dass es in der DDR trotz eines offiziellen Verbotes Prostitution gab und diese von staatlicher Seite zum Teil nicht nur geduldet, sondern sogar gefördert wurde, um sie für eigene Zwecke zu nutzen. Aber Historikerin Steffi Brüning kann über dieses Thema noch viel mehr erzählen. Die junge Frau arbeitet derzeit an der Rostocker Universität an einer Dissertation zur Prostitution in der DDR in der Jahren 1968 bis 1989. Einige ihrer Erkenntnisse will die 27-Jährige morgen in einem Vortrag in der Neubrandenburger Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde vorstellen. Um 18 Uhr geht es los, der Eintritt ist frei.

Auf ein ergiebiges Forschungsgebiet gestoßen

Wie kommt eine junge Rostockerin zu solch einem Thema? „Mir fiel durch Zufall ein Buch mit dem Titel ,Weltgeschichte der Prostitution‘ in die Hände“, erklärt Steffi Brüning, die zugibt, als Historikerin ohnehin ein besonderes Faible für Frauen zu haben. „Aber in dem Buch stand nichts über die DDR-Zeit drin. Andererseits habe ich früher in der Außenstelle Rostock gearbeitet und viel mit Stasi-Unterlagen zu tun gehabt.“ Für sie lag es da nahe, sich diesem Thema zu widmen. Sie sichtete gezielt Stasi-Unterlagen aus Berlin sowie den Bezirken Rostock und Leipzig und stieß auf ein ergiebiges Forschungsgebiet.

Unter dem Titel „Kämpfen an der Seite der Genossen - Die Frauen der DDR-Staatssicherheit“ wird morgen im Anschluss an den Vortrag eine Ausstellung eröffnet. Sie ist bis zum 26. Juni in den Räume der Neubrandenburger Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde, Neustrelitzer Straße 120, zu sehen.

 

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung