Pflege am Boden:

Demo liegend auf kaltem Pflaster

Pfleger bezeichnen den Zustand der Pflege in Deutschland als katastrophal und gehen in Neubrandenburg Mal an die Öffentlichkeit. Sie kritisieren den Umgang mit Alten als unverantwortlich.

Pflege am Boden - wortwörtlich. Symbolisch aufgerüttelt werden sollte mit der Aktion.
Hartmut Nieswandt Pflege am Boden - wortwörtlich. Symbolisch aufgerüttelt werden sollte mit der Aktion.

„Das ist abgrundtief schlimm gegenüber der Generation, die Deutschland aufgebaut hat, die so die letzten Tage und Stunden ihres Lebens verbringen muss.“ So lautet das Urteil von Klaus Raasch über das System der Pflege in einem der reichsten Länder der Welt, wie er sagt. Klaus Raasch ist niemand, der mit spontaner Wut aus dem Bauch heraus einfach so etwas sagt: Er arbeitet schon seit 20 Jahren in der Pflege. Und weil er in seinem Arbeitsalltag immer öfter Verzweiflung spürt, ist er aus Waren nach Neubrandenburg zur ersten Liegedemo gekommen.

Mit dem Titel „Die Pflege liegt am Boden“ will diese ungewöhnliche Demonstration aufrütteln. Das berichtet Julie Muller, während sie in der Treptower Straße ihre Decke ausrollt, um sich dann draufzulegen. Julie Muller stammt aus Ivenack, ist examinierte Krankenschwester und Dozentin für  das Fach Pflege am Neubrandenburger Bildungsinstitut für Umwelt und Wasserwirtschaft. Auf die deutschlandweite Aktion „Die Pflege liegt am Boden“ wurde sie im Internet aufmerksam. Diese Aktion habe im November bereits 3000 Teilnehmer in 60 Städten gehabt. „In Neubrandenburg ist die Pflegesituation genau so schlimm, darum hier besteht genau so ein Druck, etwas zu tun“, begründet sie ihren Einsatz für die Demo in der Kreisstadt.

Durch die Treptower Straße eilen sehr viele Menschen, zum Weihnachtseinkauf, zum Weihnachtsmarkt. Kaum jemand bleibt, aufmerksam gemacht durch die am Boden liegenden Menschen, stehen. Christine Stein aus Grischow bei Altentreptow ist erschüttert: „Jeden kann es betreffen. In zehn Minuten können sie einen Unfall haben und dann selbst pflegebedürftig sein. Aber kaum einen rührt das hier.“

Julie Muller fürchtet, dass die Situation durch fehlenden Nachwuchs, mehr Demenzerkrankungen und steigende Lebenserwartung eher noch schlimmer wird. „Darum ist das unsere erste Demo, weitere werden folgen.“

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