Auswertung 1. Mai:

Demo spaltet Neubrandenburg

Der Blick in den Rückspiegel offenbart sehr verschiedene Sichtweisen auf den Verlauf der Demos am 1. Mai in Neubrandenburg.

Rangeleien zwischen Polizisten und Gegendemonstranten am 1. Mai in der Oststadt.
Thomas Beigang Rangeleien zwischen Polizisten und Gegendemonstranten am 1. Mai in der Oststadt.

Rund 830 Polizisten, 350 Rechtsextreme bei der NPD-Kundgebung in der Oststadt und viele Hundert Gegendemonstranten – der 1. Mai in Neubrandenburg ist Geschichte. Doch im Rückblick auf die Ereignisse offenbaren sich höchst unterschiedliche Sichtweisen auf die Veranstaltungen.

Für die Polizei war der Einsatz ein voller Erfolg. „Unsere Philosophie des Miteinanders und der Kommunikation ist aufgegangen“, lobt Polizeipräsident Wilfried Kapischke das Vorgehen der Einsatzkräfte, die am 1. Mai seiner Führung unterstanden. Trotz vereinzelter Auseinandersetzungen im Stadtgebiet sei die Gesamtlage doch „sehr friedlich“ gewesen, so der Polizeibeamte weiter. Fünf Gegendemonstranten mussten nach Auseinandersetzungen mit Polizisten am Nachmittag in Gewahrsam genommen werden, zwei weitere Männer später am Bahnhof, wo es lange nach dem Ende des NPD-Aufmarsches noch zu Rangeleien und dem „Werfen von Gegenständen“ kam.

Auch Neubrandenburgs Stadtpräsidentin Irina Parlow stimmte noch am Freitag der Polizei-Einschätzung grundsätzlich zu. Alles in allem sei es sehr friedlich zugegangen, die Linken-Politikerin lobte sogar ausdrücklich das Verhalten der eingesetzten Polizisten. „Andere wären wohl ganz anders dazwischen gegangen, als es um die Auflösung der Sitzblockaden ging“, sagte die Neubrandenburgerin, die sich selbst an ganz andere Polizeieinsätze erinnern kann.

Gift und Galle spuckt hingegen die NPD, die von Gegendemonstranten daran gehindert wurde, pünktlich los zu marschieren und deren geplante Wegstrecke zudem erheblich abgekürzt werden musste. „Unsere Mai-Veranstaltung wurde von massiven Rechtsbrüchen begleitet“, so das saure Fazit. Und dann folgen heftige Vorwürfe an die Polizei: Die Führung der Polizei schien nicht in der Lage gewesen zu sein, einen friedlichen Ablauf ohne Störungen zu gewährleisten. „Ähnlich, wie es schon am vergangenen 1. Mai in Rostock der Fall gewesen ist. Wir gehen von Willkür der Polizeiführung aus, die scheinbar von der Politik eine klare Anweisung erhalten hat, wenig bis nichts zu unternehmen, damit die Linken den Tag als Erfolg feiern können“, heißt es bei den Rechtsextremen.

Doch auch das Bündnis „NB nazifrei“ teilt nicht die Ansicht der Polizei von einem insgesamt sehr friedlichen Einsatz. Via Twitter warfen die Organisatoren schon am Freitag der Polizei sehr aggressives Verhalten vor, die an manchen Stellen „wild durch die Gegend knüppeln“ würde. Zudem scheint es, so das Bündnis, nach der Auflösung der NPD-Veranstaltung nicht so recht mit der geschlossenen Begleitung der NPD-Anhänger zurück zum Bahnhof funktioniert zu haben. Immer wieder wurden Gegendemonstranten am späten Freitag Nachmittag gewarnt, weil Rechtsextreme in kleinen Gruppen zurück in die Innenstadt marschierten. „Passt auf euch auf“, hieß es immer wieder. Der Grund für die empfohlene Vorsicht:
Die Rechtsextremen seien frustriert und daher ziemlich aggressiv.

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