Spontanes Aktionsbündnis:

Demokraten überraschen Neonazis mit Pfeifkonzert

Die Neonazis haben ihren Tollensemarsch spontan um einen Monat vorgezogen, um Protesten aus dem Weg zu gehen. Das Bündnis „Neubrandenburg bleibt bunt“ machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Am Badehaus am Tollesesee traf die Gruppe der Neonazi-Marschieder auf Gegenwind. Kurzfristig hatten sich Demokraten verschiederer Parteinen und Gruppen zusammengefunden und bergürßten die Nazis mit einem Pfeifkonzert. 
Privat Am Badehaus am Tollensesee traf die Gruppe der Neonazi-Marschierer auf Gegenwind. Kurzfristig hatten sich Demokraten verschiedener Parteien und Gruppen zusammengefunden und bergrüßten die Nazis mit einem Pfeifkonzert. 

Es war ein Spiel wie bei „Hase und Igel“ und die Demokraten haben gewonnen: Die regionale Neonaziszene hatte ihren alljährlichen Tollensemarsch ganz spontan auf den vergangenen Sonnabend vorverlegt. Die Rechtsextremisten hatten wohl keine Lust darauf, ihre Wehrsportübung wieder von Protestaktionen begleitet zu sehen. Anders als bei ihren Demos scheuen sie bei diesen internen Veranstaltungen stets das Licht der Öffentlichkeit.

Aber das Bündnis „Neubrandenburg bleibt bunt“ hatte vor wenigen Tagen öffentlich angekündigt, dass es nicht zulassen will, dass Nazis ihre Stadt unbeobachtet für ihre Zwecke missbrauchen kann. In den vergangenen Jahren fand der „Tollensemarsch“ stets an einem Sonnabend rund um den Todestag der Naziikone Horst Wessel am 23. Februar statt. Deshalb hatte das Bündnis seine Protestaktion eigentlich für den 21. oder 28. Februar geplant.

Proteste trotz des vorgezogenen Termins

Das Vorziehen des Termins nutzte den Neonazis allerdings nichts, denn die Neubrandenburger demokratischen Parteien hatten deren Planänderung am späten Freitagabend spitzgekriegt und organisierten auf die Schnelle kurzfristig eine Protestdemo im Kulturpark. Gegen 8 Uhr war am Sonnabendmorgen bereits Stadtvertreter Dieter Kowalick (Linke) als Erster vor Ort. Bis 9.30 Uhr versammelten sich rund 15 Vertreter verschiedener Parteien, vor allem der Linken, aber auch der Grünen und der Piraten. Auch OB-Kandidat Torsten Koplin und Peter Modemann (CDU), Zweiter Stellvertreter des Oberbürgermeisters, waren unter ihnen.

Um 9 Uhr trafen 19 Neonazis am Lindenberg ein, sie ließen dort ihre Autos stehen und marschierten ab 9.30 Uhr unter Beobachtung der Polizei in Richtung Kulturpark. Kurz vor 10 Uhr passierten sie die Gegendemo am Badehaus und wurden von einem Trillerpfeifen-Konzert empfangen.  „Damit haben sie nicht gerechnet, wir haben sie ganz offensichtlich überrascht“, sagt Dieter Kowalick. Denn auf der Brücke über den Gätenbach blieben die Marschierer beim Anblick ihrer Gegner am Badehaus erstmal verunsichert stehen und vermummten sich teilweise und so gut es eben auf die Schnelle ging, damit sie nicht erkannt werden. Kurze Zeit später trafen die Rechtsextremisten am Alternativen Jugendzentrum (AJZ) in Broda auf die nächste Gegendemo.

Beide Aufeinandertreffen verliefen friedlich, bestätigt Eike Wiethoff, Sprecherin der Polizeiinspektion Neubrandenburg.