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Der 20 Jahre alte Kühlschrank macht Zicken

Angela K. lebt mit ihrer Tochter allein. Seit vielen Jahren ist die 49-Jährige arbeitslos, nur unterbrochen von Umschulung und ABM-Stellen. Trotz aller Sparsamkeit sind Neuanschaffungen für sie nur schwer möglich.

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Nur bei genauem Hinschauen kann man es erkennen: Unter den farbigen Bezügen und der dazu passenden gepolsterten Auflage verbirgt sich eine ganz kleine hölzerne Gartenbank. Die Bank steht als bequemes Sitzmöbel an einer Seite des Wohnzimmers von Angela K. Mit vielen Ideen und ganz einfachen Mitteln hat die 49-Jährige ihre Wohnung gemütlich hergerichtet.

Die alleinerziehende Mutter hatte noch nie viel Geld. Kurz nach der Wende verlor sie ihre Arbeit als Bäckerin. In dem Großbetrieb wurde Personal abgebaut, auch Angela K. war betroffen. „Ich habe so viele Bewerbungen geschrieben“, sagt sie. Nie gab es eine Zusage für einen neuen Job. Nach vier Jahren endlich wenigstens eine ABM-Stelle. Ein fester Job war aber weiter nicht in Sicht. Stattdessen folgte eine Umschulung. Doch auch der neue Beruf bot ihr keine Perspektive.

Angela K. gab die Hoffnung nicht auf. Dann noch mal eine ABM, wieder kein fester Job. „Ich hätte wohl wegziehen müssen, um neue Arbeit zu finden“, meint sie nachdenklich. Doch dafür fehlte der zurückhaltenden, fast schüchtern wirkenden Frau einerseits der Mut. Andererseits hatte sie immer wieder auf eine neue Chance in ihrer Heimat gewartet.

Zwei Operationen und Sorge um die Mutter

Außerdem wollte sie ihre Mutter nicht allein lassen, schon gar nicht, nachdem diese einen schweren Schlaganfall erlitten hatte. Seither kann die heute 78-Jährige nicht mehr sprechen und ist halbseitig gelähmt. Inzwischen wird sie in einem Heim betreut. Angela K. besucht sie fast täglich.

Und dann erkrankte sie selbst. Vor sechs Jahren musste sie an der Schilddrüse operiert werden, ein Jahr später ein zweites Mal, nachdem ein bösartiger Tumor diagnostiziert wurde. Nur ein Jahr zuvor war ihre Tochter zur Welt gekommen. Die Sorge um ihr Kind angesichts ihrer Erkrankung belastete Angela K. zusätzlich. Es war eine Zeit voller Ängste, nicht mehr für ihr Kind da sein zu können. Inzwischen haben ihr die Ärzte bestätigt, dass mit der Schilddrüse wieder alles in Ordnung sei. Einen richtigen Job hat Angela K. aber noch immer nicht gefunden.

So war sie froh, dass sie gerade in diesem Jahr erneut eine sogenannte MAE, eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme erhielt. Die Arbeit in dem archäologischen Projekt gefiel ihr so gut, dass sie sie gern hätte weiterführen wollen. Doch vor einem Monat endete das Projekt.

„Ich bin es von Kindheit an gewohnt, das Geld zusammenzuhalten“

Die Tätigkeit hat ihr wieder Selbstvertrauen und Zuversicht gegeben. Außerdem war sie für Angela K. auch in finanzieller Hinsicht wichtig. „Von dem zusätzlichen Geld habe ich mir die Couch zusammengespart“, sagt sie und zeigt stolz auf das neue Möbelstück in ihrem Wohnzimmer. „Die alte Couch war schon völlig kaputt“, erklärt sie und es klingt fast wie eine Entschuldigung.

So habe sie es immer gehalten. Wenn mal etwas mehr Geld ins monatliche Budget kam, sparte sie es für eine Neuanschaffung. Nach dem Erziehungsjahr zum Beispiel reichte es sogar für die Schrankwand im Wohnzimmer. „Ich bin es von Kindheit an gewohnt, das Geld zusammenzuhalten“, erzählt Angela K. Schon damals habe sie sich von Ferienarbeit ihr erstes Fahrrad erspart.

Das Fahrrad für den täglichen Weg zur Schule

„Ich brauche ja auch nicht viel“, sagt sie. Viel wichtiger sei jetzt ihre Tochter. Es ist keine Frage für Angela K., dass vom Arbeitslosengeld II auf jeden Fall auch der Sportverein und die Musikschule für das Mädchen monatlich bezahlt werden. „Sie soll einmal einen besseren Stand und bessere Möglichkeiten haben als ich“, sagt Angela K. Die Tochter ist ihr ganzer Stolz.

Und die 49-Jährige versucht auch jetzt, nachdem die MAE zu Ende ist, weiter etwas vom Arbeitslosengeld II abzuzwacken. Denn sie braucht dringend einen neuen Kühlschrank. Ihr jetziges Gerät steht in der kleinen Küche auf dem Küchenschrank, es ist ein Würfel mit nur zwei kleinen Fächern, den sie nun schon über 20 Jahre nutzt. Der habe stets gute Dienste getan und für sie meist auch ausgereicht, sagt sie. Aber nun zeigt er so manche „Altersschwäche“. Angela K. hofft, dass er noch eine Weile durchhält. Denn sie würde zunächst gern ein größeres Fahrrad für die Tochter kaufen. Das braucht sie auch für den täglichen Schulweg. Und das Jetzige ist viel zu klein.

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